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Worte von Landtagsvizepräsidentin Margit Jung (LINKE) zum Abschied

Foto: JENS MEYER

Mit viel Leidenschaft

Zu Beginn der Landtagssitzung am 1. Oktober hatte Präsidentin Birgit Diezel jene Abgeordneten genannt und ihnen für ihre Arbeit gedankt, die nicht wieder kandidieren. Zu ihnen gehört die LINKE-Abgeordnete Margit Jung, seit fünf Jahren auch Vizepräsidentin des Thüringer Landtages. Sie sagte, bevor sie die Plenarsitzung schloss, folgende persönlichen Worte:

Es ist nach 15 Jahren meine letzte Sitzung hier und es ist ein Abschied von Aufgaben, die ich mit viel Leidenschaft und voller Idealismus wahrgenommen habe. Politik – und das wissen Sie alle – kann man nicht wie eine Agenda abarbeiten, Politik verlangt den ganzen Menschen, ist auch irgendwie unglaublich lebensraubend, weil alle Zeit plötzlich belegt ist, weil alles, was getan wird, auch öffentlich ist und öffentlich getan wird.

Im Alltag der Politik spielt eine Rolle, dass ganz viele darauf schauen, was ich tue. Auch das schränkt natürlich in dieser Zeit die Selbstbestimmung ein, die Öffentlichkeit, die immer dabei ist, die sehr genau beobachtet. In vielen anderen Berufen braucht es genauso viel Leidenschaft, gibt es Macht, gibt es viel Arbeit, aber eben nicht diese Öffentlichkeit, die alles anschaut und die deshalb auch verlangt, dass über alles Rechenschaft abgelegt wird. Dann gibt es natürlich noch den ständig zu überwindenden inneren Widerspruch zwischen verfassungsmäßigen Unabhängigkeitsanspruch und der von Parteieninteressen geprägten politischen Praxis. Wie Sie wissen, kann das extrem anstrengend sein. Wir sollten uns immer vor Augen führen: Der Landtag ist das Hohe Haus und nicht die Staatskanzlei. Seit fünf Jahren bin ich Vizepräsidentin. Eine schönere und anspruchsvollere Aufgabe hätte es für mich wirklich nicht geben können. Deswegen möchte ich mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die mich in diesen Jahren begleitet und unterstützt haben, bei Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen Abgeordneten, bei den Fraktionen, bei den Parteien, bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Landtagsverwaltung, aber auch den vielen Unsichtbaren, ohne die dieses Parlament nicht so leistungsfähig sein könnte, wie es glücklicherweise ist, und auch bei den Medien für mal diese und auch mal die andere Berichterstattung.

Aber ich möchte mich auch bei den Wählerinnen und Wählern bedanken, die immerhin das Recht haben, diese Demokratie zu gestalten und zu bestimmen, von wem sie regiert werden. Und ich habe eine Bitte an die Mitglieder des nächsten Landtags: Bewahren Sie bitte den Konsens der Demokraten gegen Fanatiker und Fundamentalisten. Seien Sie sich Ihrer Vorbildrolle dieses Hohen Hauses für Sprache und Verhalten bewusst, auch den nächsten Generationen gegenüber.“


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