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Nr. 23/2010: Bodo Ramelow: „9. November – Tag des Mahnens, der uns in die Verantwortung nimmt“


Aus Anlass des Jahrestages der Pogrome gegen Jüdinnen und Juden, gegen Synagogen, Geschäfte und Wohnungen am 9. November 1938 Deutschland hatte der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow erklärt: „Bei allen Gründen, den 9. November ’89 als freudiges Ereignis zu würdigen, darf der Zusammenhang zwischen dem 9. November 1938 und 1989 nicht verdrängt werden. Der Ausgangspunkt der europäischen Teilung ist der millionenfache Menschenmord durch deutsche Verantwortung.“


„Die Novemberpogrome waren der Beginn des Holocausts, der versuchten industriellen Vernichtung der europäischen Juden, dem verbrecherischsten Kapitel deutscher Geschichte. Die Pogrome und der fehlende Widerstand dagegen demonstrieren eindrücklich, wie tief der Antisemitismus in den Köpfen der Deutschen im sechsten Jahr des faschistischen Regimes verankert war. Der 9. November muss jedes Jahr ein Tag des Gedenkens und des Erinnerns an die während der Zeit des deutschen Nationalsozialismus Millionen ermordeten Juden bleiben. Der 9. November muss aber auch ein Tag des Mahnens sein, der uns Deutsche in die Verantwortung nimmt, nie wieder zuzulassen, dass menschenverachtende Ideologien schleichend Raum in einer Gesellschaft finden. Die Geschichte lehrt uns, wie schnell aus einer menschenfeindlichen Ideologie ein verbrecherisches System werden kann, dem eine Mehrheit erst still und später unverhohlen zujubelt.“


Der Fraktionsvorsitzende mahnte die Landesregierung eindringlich, das Landesprogramm gegen Rechtsextremismus mit auf den Weg zu bringen. „Der NPD-Aufmarsch am ersten November-Wochenende in Vacha, die rassistische Provokation Rechtsextremer gegenüber Flüchtlingen in Gerstungen und der angekündigte Fackelmarsch zum so genannten „Heldengedenken“ in Friedrichroda sind erschreckender Beleg für die Aktivitäten der extremen Rechten in Thüringen.“

Beeindruckende Begegnung mit Avital Ben-Chorin


Es war Bodo Ramelow und der Linksfraktion eine besondere Freude und ein beeindruckendes Erlebnis, Frau Avital Ben-Chorin, die sich im Rahmen der 18. Jüdisch-Israelischen Kulturtage in Thüringen aufhielt, am 10. November im Landtag empfangen zu können. Nach dem gemeinsamen Essen (s. Foto) und einer Stippvisite auf der Besuchertribüne am Rande der Landtagssitzung, zeigte ihr der Fraktionsvorsitzende das Gebäude mit seiner furchtbaren Geschichte aus der NS-Zeit und der noch vorhandenen Gestapo-Arrestzelle im Keller, die zu einer Gedenkstätte gestaltet werden soll. Im Bürohaus an der Arnstädter Straße befand sich das Judenreferat, das von hier aus die gesamte Deportationsplanung vornahm.
Frau Ben-Chorin, die Witwe des bekannten Religionsphilosophen Schalom Ben-Chorin, wurde 1923 in Eisenach als Erika Fackenheim geboren, ihr Großvater war ein bekannter Arzt in der Stadt. Schon als Schulkind drangsaliert, musste sie schweren Herzens als 13jährige allein nach Palästina gehen. Ihre Eltern, ihren Großvater und viele Angehörige und Freunde hat sie in der Shoa verloren.


Bodo Ramelow hatte Avital Ben-Chorin, die mit ihren 87 Jahren eine bewundernswert gut aussehende und vitale Frau ist, bereits bei seinem ersten Israel-Besuch vor zwei Jahren in einer Synagoge in Jerusalem kennen gelernt – angesichts ihrer Herkunft und weiteren Thüringer Verbindungen erstaunt, wie klein die Welt doch ist.
Zusammen mit ihrem Mann hatte sie in Israel die erste jüdische Reformgemeinde mitgegründet und viel für den christlich-jüdischen Dialog getan. Sie waren es auch, die die erste israelische Jugendgruppe nach Deutschland gebracht hatten. Nach einem ersten Besuch 1986 in Eisenach und weiteren Begegnungen in Thüringen in den vergangenen Jahren, hatte sie jetzt auch wieder am Gedenken anlässlich der Pogromnacht in Eisenach teilgenommen, das erstmals in der Turnhalle in der Goethestraße stattfand, wo in der Novembernacht 1938 jüdische Männer und Frauen zusammengetrieben worden waren.

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