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Grünes Sofa, Rote Politik: Ralf Plötner im Portrait (mit Video-Reportage)

Ralf Plötner ist seit Oktober 2019 Mitglied des Thüringer Landtages und gesundheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion. Bereits seit 2009 ist der gelernte Krankenpfleger und studierte Politikwissenschaftler Mitglied des Kreistages seiner Heimat Altenburger Land und dort seit 2014 auch Fraktions-vorsitzender. Zu seinem Abiball glänzte der heute 36-Jährige als Elvis-Imitator.

 


 

Als ich Ralf Plötners zentral in Altenburg gelege­nes Wahlkreis-Büro be­trete, befindet sich die­ser gerade inmitten ei­nes seiner zahllosen täglichen Telefon-Termine. Wenn Mobil­telefone vor der Pandemie schon nicht mehr wegzudenken waren, so sind sie uns jetzt mindestens so wichtig wie das eigene Augenlicht. Virtuelle Kommuni­kation ist in Zeiten von physischer Dis­tanz das Maß aller Dinge. Gut, dass der Mensch bereits Telefon-Konferenzen, Video-Chats und Telegram-Gruppen er­funden hat, bevor sich das Corona-Virus aufmachte, den Planeten zu kujonieren.

Als das Telefonat beendet ist, nimmt Plötner auf einem samtigen, moosgrü­nen DDR-Sofa in der Mitte des großen, offenen Büros Platz und beginnt zu er­zählen, wie er von der Pflege zur Politik gekommen ist. Eigentlich sei es eher ein schleichender Prozess gewesen, denn Politik hatte ihn schon von klein auf interessiert. Als sich Helmut Kohl dann im Jahre 1998 für eine fünfte Amtszeit als Bundeskanzler zur Wahl aufstellen ließ, zog das seinerseits gro­ßes Unverständnis über die etablierte Bundespolitik nach sich, und so wuchs in ihm wenige Jahre später die Erkennt­nis heran, nach seiner Ausbildung zum Krankenpfleger noch ein Studium der Politikwissenschaften anzuhängen. In­spiriert durch das ehrenamtliche Enga­gement seiner Eltern für die PDS und bestärkt durch die Entstehung einer bundesweiten Linkspartei trat Plötner 2007 in die frisch fusionierte LINKE ein und begann seine ehrenamtlichen Tätigkeiten zu intensivieren, was schließlich in der Mitgliedschaft im Kreistag Altenburger Land mündete.

Mittlerweile ist Ralf Plötner verheira­tet, Vater von zwei Kindern und hat sei­nen festen Platz in der Linksfraktion des Thüringer Landtags gefunden. Der Mann mit dem auffälligen, grau melier­ten Rauschebart ist inhaltlich aber nicht nur im Ressort Gesundheit und Pflege beheimatet, sondern ist zudem auch sehr versiert in Familienpolitik, Bil­dungsfragen und kommunalen Angele­genheiten. Er erklärt seine Philosophie folgendermaßen: „In der Politik gibt es viele Querschnittsfelder und es finden sich immer Berührungspunkte zu ande­ren politischen Themen. Daher sollte man versuchen, Politik ganzheitlich zu betrachten und zu verstehen. Nur dann kann auch der beste Output enstehen.“

Zur Zeit liegt sein Hauptaugenmerk naturgemäß vor allem auf gesundheit­lichen Themenfeldern. Ein wichtiger Eckpfeiler sei dabei die Rückführung von privat geführten Kliniken in die öf­fentliche Hand. „Es gehört eben zur öf­fentlichen Daseinsvorsorge, dass die Gesundheitsvorsorge stimmt und die Versorgung im Krankheitsfall für jede und jeden problemlos zugänglich ist. Dabei haben Profitlogiken einfach nichts zu suchen. Das ist ein guter Punkt, wo man linke Positionen klar und deutlich artikulieren muss.“

Durch die Krise seien aber auch gera­de die systemrelevanten Berufsgruppen wieder in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. „Innerhalb der Rot-Rot-Grünen Koalition sind wir gera­de dabei, das Thüringer Gesetz zur Um­setzung erforderlicher Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pande­mie vorzubereiten und auf den Weg zu bringen, wo bestmöglich versucht wird, die Corona-Folgen landesweit abzufe­dern. Für unseren Arbeitskreis ist es sehr wichtig, noch einen Bonus für sys­temrelevante Beschäftigte zu etablieren. Dabei habe ich persönlich natürlich die Angestellten im Pflegebereich und wei­tere Berufsgruppen im Fokus.“

Auch Kinder und Jugendliche leiden stark unter den gesellschaftlichen Ein­schränkungen. Wenn Konsumparadie­se wieder eröffnet werden, so müsse das auch für Spielplätze und andere Orte gelten, an denen sich Kinder tref­fen und austoben können, damit es nicht zu Problemen in der Entwick­lung kommt. „Ich glaube schon, dass jetzt das Begehren berechtigterweise lauter wird, dass gerade Kinder und Jugendliche sich wieder mehr begeg­nen sollten. Wichtig ist dabei nur, dass wir auf keinen Fall das Infektionsrisi­ko unterschätzen. Oberstes Gebot ist und bleibt es, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern“, beteuert Plötner.

Doch die Isolation verstärkt auch die Probleme derer, die sich ohnehin schon abgehängt fühlen. Gerade in Alten­burg, einer Stadt mit rund 17 Prozent leerstehenden Gebäuden, innerhalb eines Landkreises mit mäßiger Infra­struktur, überschaubarer Zuganbin­dung und löchrigem Breitbandnetz. Ralf Plötner hat dieses Thema schon seit Jahren auf dem Radar. „Das Problem der Vereinsamung ist tatsächlich schon länger bekannt. Großbritannien hat sogar ein eigenes Ministerium ge­schaffen, um dagegen vorzugehen. Wir wissen, dass viele, auch gerade ältere Mitmenschen, sich sehr abgehängt fühlen, zum Teil wirklich in ihren Dör­fern vereinsamen. Da muss man unbe­dingt gegensteuern. Ein Beispiel dafür ist das Landesprogramm „Solidari­sches Zusammenleben der Generatio­nen“, durch das zum Beispiel sogenann­te „Dorfkümmerer“ finanziert werden, also Menschen, die sich tatsächlich vor Ort erkundigen, wie es den Leuten geht und die bei Alltagsproblemen Hilfestel­lung leisten.“

Im Anschluss an unser Gespräch zeigt mir Ralf Plötner einige Lieblings­orte in seiner Heimatstadt. Er ist stolz auf Projekte wie das Landestheater Altenburg, welche durch Mittel der Rot-Rot-Grünen Landesregierung ge­fördert werden konnten. Obwohl so auffällig viele Gebäude vor dem Ver­fall stehen und die Lebenslage für vie­le Bewohner*innen angespannt ist, strahlt der pittoreske Stadtkern Alten­burgs in diesem Moment wie der Na­bel einer lebendigen Kleinstadt und einer kulturhistorisch wertvollen Re­gion im Osten Thüringens. Es kommt eben immer darauf an, was man dar­aus macht. Lukas Krause