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Wiegand-Glas will nicht nur in Schleusingen mehr Güter auf die Schiene bringen. Ein Besuch

Rund 19 Prozent des Güterverkehrs in Deutschland liefen 2019 über die Schiene. Man muss sagen: Nur 19 Prozent, denn der Anteil liegt in anderen Ländern deutlich höher. Zum Beispiel in der Schweiz, wo bereits 40 Prozent des Güterverkehrs auf Schienen Rollen. Das ist nicht nur ökologischer, wie es bei der „Allianz pro Schiene“ heißt, die unter anderem auch auf die positiven Wirkungen der Verlagerung von der Straße auf die Schiene für Arbeitsmarkt und Sicherheit verweist.

Im Oktober haben die linken Landtagsabgeordneten Christian Schaft und Andreas Schubert das Unternehmen Wiegand-Glas besucht. Bei der Firma gehen am Standort Schelusingen pro Tag über 2,3 Millionen Glasbehälter vom Band – und: Das Unternehmen will schon länger den Güterverkehr vom Lkw auf den Zug umstellen. Wiegand-Glas ist schon länger am Thema dran, nicht nur in Schleusingen. „Um der Abhängigkeit vom LKW und den zu erwartenden Mehrmengen durch die Produktionserweiterungen wirksam zu begegnen, setzen wir wieder auf den Verkehrsträger Schiene“, hieß es 2019 vom Unternehmen.

Dazu braucht es ein Verladeterminal, eine funktionsfähige Strecke zum Bahnhof Schleusingen und eine Ertüchtigung der Strecke nach Themar, um die Züge in das Netz der Deutschen Bahn zu bringen, erläutert Schaft. Je nach Größe der Züge könnten jährlich 15.000 bis 30.000 Lastwagen voller Fracht eingespart werden. Das entlastet den Verkehr und die Umwelt deutlich. Und bietet noch mehr Möglichkeiten zur Nutzung des Schienennetzes für den Personenverkehr.

„Doch dazu braucht es Investitionen. Dazu braucht es die Anstrengung der EU, des Bundes und des Landes. Wie eine gemeinsame und politische Lösung aussehen kann, werden wir nun besprechen“, sagt Schaft nach dem Besuch in Schleusingen. Sein Abgeordneten-Kollege Schubert verweist darauf, dass das Unternehmen ein komplettes Konzept erarbeitet habe, wie mit einem gedeckten Container sowohl Schüttgut als auch Paletten transportiert werden können. „Sinn macht dies insbesondere, wenn das Anschlussgleis im Glaswerk Schleusingen reaktiviert werden kann“, so Schubert. „Das wäre ein echter Beitrag zum Klimaschutz und der Dekarbonisierung des Verkehrs.“

Die Reaktivierung der Stecke ist eine millionenschwere Aufgabe. „Hier braucht es Unterstützung nicht nur durch das Eisenbahnbundesamt sondern auch durch die EU und den Bund sowie das Land“, sagt Schubert. „Wer Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern will – das wollen wir! – muss auch die Zugänge dafür schaffen.“
Zwar hat auch die Bundesregierung erkannt, dass der Anteil der Schiene am Güterverkehr dringend steigen muss, sollen die Klimaziele erreicht werden.

Bis 2030 sollen daher 25 Prozent des Güterverkehrs auf der Schiene stattfinden. Doch reichen die Anstrengungen? „Die Güterbahnen haben mit einer Vielzahl von Hindernissen zu kämpfen und können ihr Potenzial nicht voll ausspielen“, heißt es bei der „Allianz pro Schiene“. Als „verkehrspolitisch enttäuschend“ bewertete das das gemeinnützige Verkehrsbündnis das aktuelle Sondierungspapier von SPD, Grünen und FDP. „Ich bin negativ überrascht, dass ein konkretes Bekenntnis zum Ausbau der klimafreundlichen Schiene in den nächsten vier Jahren komplett fehlt“, so Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz. „In dem Sondierungspapier haben die Parteien ausgerechnet die Verkehrswende aufs Abstellgleis geschoben.“ Kein Wort enthält das Dokument zur Priorität für den Schienenausbau oder zur Steigerung des Marktanteils für die Schiene, um den klimaschädlichen Flug- und Straßenverkehr zurück zu drängen. Er könne „nur hoffen, dass SPD, Grüne und FDP bei den Koalitionsverhandlungen deutlich nachbessern und sich im Koalitionsvertrag auf einen Aufbruch für mehr Klimaschutz im Verkehr festlegen“, so Flege.

Nach dem Besuch in Schleusingen, bei dem die Rennsteigbahn den beiden Abgeordneten der LINKEN die Möglichkeit verschaffte, die Strecke nach Themar zu „erfahren“, pocht Schaft auf mehr Anstrengungen. „Wir wissen jetzt wo und wie investiert werden muss. Denn den Streckenzustand konnten wir bei der Fahrt mit dem Speisewagen auf der bestehenden langsamen Strecke im wahrsten Sinne des Wortes spüren. Wir sehen da eine Menge Potential für mehr Klimaschutz, den Ausbau der Mobilität und die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe.“ PR