Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Wenn Patient*innen zur Ware werden
Über Private-Equity-Fonds im Gesundheitssektor

In der Bundesrepublik sind inzwischen immer mehr Einrichtungen der Gesundheitsversorgung in der Hand von Private-Equity-Fondsgesellschaften. Seit der Übernahme des Pflegeheimbetreibers Casa Reha 1998 durch die ECM Equity Capital Management GmbH versucht Rainer Bobsin, mehr Aufmerksamkeit für diese Entwicklung zu schaffen. Nun ist eine aktualisierte Übersicht über die Aufkäufe von Krankenhäusern, Arzt- und Zahnarztpraxen, medizinischen Labore und Versorgungszentren, Physiotherapiepraxen, Rehabilitationskliniken, Pflegeheimen und Pflegediensten durch Beteiligungsunternehmen erschienen, in dem Ergänzungsband zu früheren Veröffentlichungen stehen die Deals des Jahres 2019 im Zentrum.

„Vorrangiges Ziel bleibt weiterhin, ein wenig ‚Licht ins Dunkel‘ dieses intransparenten Marktgeschehens zu bringen“, heißt es dazu beim Offizin-Verlag. Ein verdienstvolles Unterfangen, denn der Aufkauf bedeutender Bereiche der Gesundheits- und Sozialwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren noch einmal verstärkt.

Institutionelle Anleger wie Versicherungsunternehmen oder Pensionsfonds vertrauen ihre Gelder immer öfter Private-Equity-Fonds an, um höhere Renditen zu erzielen, als es „normales“ Anlageverhalten in Zeiten von

Niedrigzinsen ermöglicht. So ist auch der „Anlagedruck“ gewachsen, das heißt, Private-Equity-Fonds nehmen immer öfter auch kleinere Unternehmen ins Visier, eben auch Pflegedienste oder Arztpraxen.

Die Folge, so hat es Bobsin einmal beschrieben: Es werden neben den Beschäftigten auch Patient*innen zur Ware degradiert. Die Übernahme von ärztlichen oder Pflegeeinrichtungen durch private, rein gewinnorientierte Organisationen führt dazu, dass medizinische Entscheidungen von Kapitalinteressen beeinflusst werden.

Nötig ist laut Bobsin eine breitere öffentliche Debatte und auch eine Diskussion darüber, wie der von ihm faktenreich beschriebenen Entwicklung begegnet werden könne. Wie könnte es gelingen, den Gestaltungsspielraum der Fondsmanager zu begrenzen? Und „wäre es nicht klüger, grundsätzlich neu über die Privatisierung öffentlicher Einrichtungen nachzudenken, indem vermeintliche Vorteile hinterfragt werden?“ Niemand möchte, dass die eigene Versorgung davon abhängt, wie viel Rendite oder Verlust der persönliche Fall einbringt.PR

 

Rainer Bobsin: Private Equity im Bereich der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Update 2020, OffizinVerlag Hannover, 104 Seiten, 12 Euro.