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Viele Kinder und Jugendliche helfen bei der Pflege Angehöriger: LINKE für mehr Anerkennung

Die Zukunft der Pflege spielt in den politischen Debatten vor der Bundestagswahl eine wichtige Rolle. Nur selten zum Thema gemacht wird dabei, dass auch viele minderjährige Kinder und Jugendliche regelmäßig Pflegeaufgaben in der Familie übernehmen. Nach Zahlen von 2016 sind etwa fünf Prozent aller Jugendlichen in der Bundesrepublik – also rund 230.000 – in die Versorgung Angehöriger eingebunden, wie eine repräsentative Befragung der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) damals zeigte.

Der Umfang der Hilfe, die pflegende Jugendliche leisten, sei beträchtlich, hieß es damals seitens der Stiftung. „Die überwiegende Mehrheit von ihnen (90 Prozent) hilft mehrmals in der Woche, ein Drittel (33 Prozent) sogar täglich. Sie übernehmen vielfältige Aufgaben: Zumeist gehen sie den Pflegebedürftigen bei Einkäufen zur Hand (58 Prozent) oder begleiten bei der Freizeitgestaltung (50 Prozent). Viele von ihnen helfen ihren Angehörigen beim Zubereiten der Mahlzeiten (34 Prozent), beim Aufstehen und Gehen (33 Prozent) oder bei der Nahrungsaufnahme (27 Prozent). Bei der Einnahme von Medikamenten oder bei der Körperpflege unterstützen 16 bzw. sieben Prozent ihr Familienmitglied.“

Das bleibt nicht ohne Folgen. Etwas mehr als die Hälfte der befragten Jugendlichen gab an, durch die Hilfe bei der Pflege der Angehörigen belastet zu sein. Zwölf Prozent klagten über einen so entstehenden Mangel an Freizeit, zehn Prozent über die körperliche Anstrengung bei der Pflegehilfe.

2019 machte die Stiftung abermals eine groß angelegte Umfrage, diesmal unter Schülern und Schülerinnen im Alter von 14 bis 18 Jahren. Das Ergebnis: Knapp ein Drittel gab an, mindestens eine verwandte Person, die in der Nähe wohnt, sei pflegebedürftig. Von diesen Befragten sagte 40 Prozent, dass sie die Person direkt unterstützen, die Mehrzahl mindestens einmal pro Woche. Auffällig: Es waren vor allem Schülerinnen, die bei der Pflege helfen, unter den Schülern sind es deutlich weniger.

„Auch in Deutschland arbeiten viele Kinder. Doch die Arbeit von Kindern wird hier kaum wahrgenommen und in ihrer Bedeutung für die Betroffenen unterschätzt“, sagt die kinder- und jugendpolitische Sprecherin der linken Landtagsfraktion, Kati Engel. „Kindern, die mit einem kranken oder behinderten Familienmitglied leben, wird häufig die eigene Kindheit genommen, weil sie zu früh die Verantwortung übernehmen müssen. Vielen fällt es dabei schwer, mit anderen darüber zu sprechen, weil sie ihr krankes oder behindertes Familienmitglied schützen wollen“, so Kati Engel. „Dabei benötigen sie selbst Aufmerksamkeit und Hilfe, denn pflegende Kinder und Jugendliche sind oft mit hohen psychischen und körperlichen Anforderungen konfrontiert. Und dennoch findet ihre besondere Problemlage in der Öffentlichkeit kaum Beachtung.“

Engel mahnt, gerade diese Kinder und Jugendlichen bräuchten Angebote zur Unterstützung, „um selber stark zu sein“. Ein Beispiel: 2018 gründeten Betroffene die Plattformen „Young Carers“. Die Jugendliche möchte damit über die Situation der jungen Pflegenden in Deutschland aufklären, aber auch eine Anlaufstelle für Betroffene bieten, bei der sie nicht nur Informationen, sondern auch Hilfe erhalten. Ziel ist es, ein großes Netzwerk aus Betroffenen und Unterstützern aufzubauen. PR