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Utopisch? Realistisch! Ein Sammelband zur Gestaltung der Zukunft

Entwürfe möglicher, zukünftiger Gesellschaftsordnungen gibt es seit Jahrhunderten. Schon in der Antike spielten sie eine wichtige Rolle im politischen Denken. „Mit Utopien kann man bestehende Verhältnisse offensiv kritisieren und gleichzeitig eine Perspektive bieten“, schreibt der frühere SPD-Ministerpräsident und heutige Chef der sozialdemokratischen Friedrich-Ebert-Stiftung im Vorwort zu einem neuen Sammelband, der sich nicht zuletzt vor dem Hintergrund von fortschreitender Digitalisierung, raschem Strukturwandel, Klimakrise und globaler Ungleichheit progressiven Gesellschaftsentwürfen widmet: „Gerade in solchen Zeiten des Umbruchs braucht es Utopien für eine bessere Zukunft.“


Die Beiträge zu dem Buch sind zuvor im Rahmen einer Ringvorlesung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn diskutiert worden. Die SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans kommen darin zu Wort, ebenso linke Publizist*innen wie Robert Misik und Paul Mason. Letzterer entfaltet seine Utopie als Gesellschaft „Jenseits von Kohlendioxid und Kapitalismus“. Der französische Historiker Pierre Rosanvallon macht Vorschläge für die Schaffung einer Gesellschaft der Gleichen; der Tübinger Philosoph Otfried Höffe stellt Gedanken zu einem „Weltrecht“ und einer föderalen „Weltrepublik“ vor; die Journalistin Ulrike Herrmann sucht nach postkapitalistischen Wirtschaftsmodellen. Und das sind nur drei Beispiele aus dem Band.


Dass Utopien auch zu einem Vorwurf werden können, klingt in Helmut Schmidts berühmten Worten an, dass, wer Visionen habe, zum Arzt gehen solle. Gerade aber in Umbruchzeiten wie der gegenwärtigen CoronaKrise, so heißt es in einem einleitenden Beitrag von Thomas Hartmann, Jochen Dahm und Frank Decker unter Bezugnahme auf den Philosophen Oskar Negt, werden Utopien plötzlich realistisch. „Durch Kritik und Offenlegung alter und neuer Missstände bergen Krisensituationen wie die jetzige Chancen für eine grundsätzliche Neujustierung, die utopischen Gedanken zur politischen Verwirklichung verhelfen könnten.“ Dabei bildet auch in diesem Sammelband stets die Veränderung des Wirtschaftssystems den Fluchtpunkt vieler Überlegungen, damit Ökonomie am Gemeinwohl orientiert ist, dem Erhalt der Umwelt dient und eine Gesellschaft der Gleichen mit Beteiligung aller ermöglicht. PR

 

Thomas Hartmann, Jochen Dahm und Frank Decker (Hg.): Utopien. Für ein besseres Morgen, Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn 2020, 224 Seiten, 15 Euro.