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Teil unserer Geschichte: zum Projekt Shared History

Auch die Simson Schwalbe KR 51 ist dabei. Die Schwalbe kennt praktisch jede*r im Osten und inzwischen, im Zuge einer Wiederkehr vom Alltagsgegenstand als Kultobjekt, auch darüber hinaus. Aber wer kennt die jüdische Geschichte dahinter?


Im Projekt Shared History wird anhand von 58 Objekten die Geschichten von Jüdinnen und Juden in Mitteleuropa erzählt. Nun zeigt der Thüringer Landtag als erste bundesweite Station die Wanderausstellung des Leo Baeck Institute – New York/ Berlin. Auf 27 Glaspanelen werden die Besucher*innen durch die Geschichte jüdischen Lebens im deutschsprachigen Raum geführt: „Von den frühesten Nachweisen jüdischer Präsenz in den römischen Provinzen des Rheinlands bis zum Deutschland und Österreich der Gegenwart erzählt das Projekt die Geschichte der komplexen Koexistenz von jüdischem und nichtjüdischem Leben im deutschsprachigen Raum der letzten 1700 Jahre. Jedes der Objekte wird die unterschiedlichen Möglichkeiten aufzeigen, wie jüdische Geschichte und Alltag mit den Völkern, Regionen und Länder Mitteleuropas verwoben war und ist“, wie es beim Leo Baeck Institute heißt.


1856 gründeten die Brüder Löb und Moses Simson aus zuvor erworbenen Anteilen an einem Stahlhammer die Firma Simson & Co. Bald wurden hier Waffen gefertigt, ab 1896 auch Fahrräder und später Autos. Die Nazis „arisierten“ den Betrieb kurz nach der Machtübergabe; die Familie Simson musste fliehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen als Rüstungsbetrieb weitgehend demontiert. Die Sowjetische Militäradministration ordnete bald die Produktion von Motorrädern an; und in den 1960er Jahren begann, dann schon unter dem Dach eines VEB, die Produktion der Schwalbe.


„Ob es die erst am vergangenen Wochenende wieder eingeweihte Mikwe in Schmalkalden ist, Eduard Rosenthals Beitrag zur Thüringer Verfassung oder die noch heute beliebten Mopeds der Firma Simson in Suhl: Jüdische und deutsche Geschichte sind seit Jahrhunderten auf das Engste verwoben“, sagte Landtagspräsidentin Birgit Keller zur Eröffnung der Wanderausstellung „Shared History“ Anfang September. Es gelte, diese Verbindungen sichtbarer zu machen und zu zeigen, dass jüdische Kultur und jüdisches Leben selbstverständlicher Teil unserer Geschichte sind.


„Die in der Ausstellung gezeigten Objekte, Orte, Personen und Geschichten zeigen, dass Jüdinnen und Juden Teil unserer Geschichte sind – ob lange zurückliegend oder aus der jüngeren Vergangenheit“, erklärte der Thüringer Kulturminister und Beauftragter für jüdisches Leben in Thüringen und die Bekämpfung des Antisemitismus, Benjamin-Immanuel Hoff. Im Beisein des Vorsitzenden der jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, mahne Hoff, „gewaltsame Vertreibungen, Enteignung und Ermordung von Jüdinnen und Juden gehören ebenso zu dieser Geschichte“, deshalb sei in der heutigen Zeit ein besonderes Bewusstsein für jüdische Beiträge zu Kunst, Kultur, Wissenschaft, Literatur oder Politik so nötig.


Ziel des „Shared History“ Projektes, heißt es beim Leo Baeck Institute, sei „die Vermittlung der Relevanz historischer Ereignisse für die Gegenwart und die Verwendung von Geschichte für den pädagogischen Gebrauch und interkulturelle Kontexte. Darüberhinaus soll dieses Projekt als Lehr- und Lernmaterial fungieren, das Objekte nutzt, um Geschichte zu lehren und gleichzeitig Geschichtsvergessenheit und Geschichtsverfälschungen entgegenzutreten.“ Die Wanderausstellung ist bis 24. Oktober 2021 im Thüringer Landtag zu sehen. PR