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Stützen der Gesellschaft: Wo Frauen in Thüringen arbeiten und was das mit Corona zu tun hat

Es ist in Corona-Zeiten viel von den Menschen gesprochen worden, die in den gesellschaftsrelevanten Bereichen arbeiten und, wie man oft hörte, „den Laden am Laufen halten“. Dass es hier ein gravierendes Problem gibt, weil so wichtige Tätigkeiten im Vergleich zu anderen oft geringer bezahlt sind, ist eine der Lehren aus den politischen Debatte rund um die Pandemie. Von mangelnder Anerkennung und der Notwendigkeit, für angemessene Gehälter zu sorgen, ist viel gesprochen worden.

Und es zeigt sich: Hier sind in vielen Sektoren vor allem Frauen beschäftigt. Laut einer Datenanalyse der Regionaldirektion der Bundesagentur SachsenAnhaltThüringen sind in Thüringen immer mehr Menschen in einem der Bereiche tätig, die zu kritischen Infrastruktur gezählt werden. Dazu gehören „Organisationen, Unternehmen und Betriebe, bei deren Ausfall nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden“, wie es bei der Bundesagentur heißt. Im Sommer 2019 hatten hier fast 300.000 Menschen eine sozialversicherungspflichtige Stelle; 2015 lag die Zahl noch bei gut 297.000.

Wie zentral diese Bereiche sind, wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass der größte Teil der Beschäftigten der kritischen Infrastruktur im Sektor Gesundheit arbeiten– insgesamt knapp über 100.000 Menschen in Thüringen. Rund um die Sicherstellung der Versorgung mit Lebensmitteln sind knapp 61.000 Menschen tätig; etwa 50.000 im Bereich der öffentlichen Verwaltung.

„Gerade die vergangenen Monate der CoronaKrise haben gezeigt, welche Bedeutung die Beschäftigten in der kritischen Infrastruktur für unser Land haben«, sagt der Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Markus Behrens. »Von der Krankenschwester über die Supermarktverkäuferin bis hin zum LKWFahrer. Auf sie war und ist Verlass. Sie waren und sind weiterhin die Stützen in der Krise.«

Vor allem im Gesundheitssektor aber auch sonst sind diese »Stützen« der kritischen Infrastruktur in Thüringen Frauen – ihr Anteil macht rund 180.000 aus, also 60 Prozent, im Gesundheitsbereich liegt er sogar bei 79 Prozent. Zum Vergleich: Der Frauenanteil bei allen Beschäftigten im Land liegt bei 48 Prozent. Das sind fast 380.000 weibliche Beschäftigte In Vollzeit arbeiten nach Daten der Regionaldirektion rund 207.000 Frauen. Ihr Anteil liegt mit 35 Prozent deutlich unter dem Frauenanteil an den Teilzeitbeschäftigten, der 80 Prozent beträgt.

Frauen sind in Thüringen auch häufiger geringfügig beschäftigt als Männer. So lag der Frauenanteil an den Minijobbern im Sommer 2020 bei über 54 Prozent. Unter ihnen war auch der coronabedingte Rückgang der Minijobs weit stärker als bei den Männern. „Frauen arbeiten besonders in Dienstleistungsberufen oder auch in der Gastronomie in Minijobs. Das waren die Branchen, die besonders von der Pandemie betroffen waren und in denen die meisten Minijobs verloren gegangen sind“, so Behrens.

Unter den offiziell registrierten Erwerbslosen in Thüringen waren im Januar 30.135 Frauen, die Arbeitslosenquote lag unter Frauen bei 5,8 Prozent, insgesamt wurde sie für den ersten Monat des Jahres 2021 mit 6,4 Prozent beziffert.

 

Die Lohn-Lücke

Eine der zentralen Zahlen, die über mangelnde Gleichheit der Geschlechter Auskunft geben, ist die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern. Frauen verdienten 2019 durchschnittlich 19 Prozent weniger je Stunde als Männer. Zwar hat sich der so genannte Gender Pay Gap seit 2015 leicht verringert, wie das Statistische Bundesamt vorrechnet. Er ist mit im Durchschnitt einem Fünftel aber immer noch enorm.

Dabei gibt es starke Unterschiede zwischen Westen und Osten. In Westdeutschland (und Berlin) war die Lohnlücke mit 20 Prozent deutlich größer als im Osten, wo diese insgesamt 7 Prozent betrug. Noch niedriger fiel der Gender Pay Gap in Thüringen aus, wo er für das Jahr 2018 mit 6,3 Prozent beziffert wird. Nach Mitteilung des Thüringer Landesamtes für Statistik erzielten Frauen in Thüringen einen durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 15,62 Euro, während der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Thüringer Männern bei 16,67 Euro lag.

Neben diesem unbereinigtem Gender Pay Gap, der strukturbedingte Unterschiede zwischen den Geschlechtsgruppen, wie unterschiedliche Berufe, Branchen, Arbeitszeitmodelle, Beschäftigungsumfang, Bildungsstand oder Zugang zu Führungspositionen nicht berücksichtigt, wird regelmäßig auch der bereinigte Gender Pay Gap gemessen, der den Verdienstunterschied von Frauen und Männern mit vergleichbaren Qualifikationen und Tätigkeiten misst. Auch hier existiert eine Lücke: 2018 bekamen Männer demnach 5,7 Prozent mehr Gehalt als Frauen. Das Wort »verdienten« ist hier ganz ausdrücklich nicht benutzt worden.

 

Die Care-Lücke

Seit langem wird kritisch darauf hingewiesen, dass Sorge-Tätigkeiten vor allem von Frauen geleistet werden. CareArbeit schließt körperliche sowie emotionale Arbeit ein, von Kinderbetreuung und Pflegearbeit in Einrichtungen bis hin zu unbezahlten Haushaltsaufgaben und der privaten Betreuung von Kindern und Pflegebedürftigen. Weit über 80 Prozent der beruflichen Care-Arbeit in Deutschland wird von Frauen geleistet. Es geht hier um Arbeit, die gesellschaftlich noch immer zu wenig geschätzt wird und meistens unterbezahlt bleibt.

Auch zu Hause ist die Care-Lücke gravierend: Im Gesamtdurchschnitt leisten Frauen 52,4 Prozent mehr Familien- und Sorgearbeit als Männer. Für eine faire Verteilung von CareArbeit zwischen den Geschlechtern setzt sich die Linksfraktion seit langem ein. Lena Saniye Güngör, Sprecherin für Arbeits- und Gewerkschaftspolitik der Linksfraktion, fordert dazu etwa festgelegte Tarife in CareBranchen. Karola Stange, Sprecherin für Gleichstellung, Behindertenpolitik und Soziales, weist darauf hin, dass Frauen, die weniger in den CareBranchen verdienen, später mit weniger Rente leben müssen. PR