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Studie zeigt Sorgen um Zusammenhalt

Wie haben die Erwerbstätigen hierzulande den zweiten Corona-Sommer erlebt? Mit äußerst gemischten Gefühlen. Das ist das Ergebnis einer langfristig angelegten Befragung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

„Einerseits fürchteten im Juli 2021 weniger Menschen als im Winter 2020, wegen der Pandemie ihre Arbeit zu verlieren. Die Quote ist von 13 Prozent im November 2020 auf acht Prozent gesunken“, heißt es zu den Ergebnissen. Auch der Anteil derer, die die aktuelle Situation familiär, finanziell oder an ihrem Arbeitsplatz als belastend empfinde, sei etwas zurückgegangen. Allerdings habe die Unzufriedenheit mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung stark zugenommen. Und: Weiterhin machen sich viele Menschen „Sorgen um den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft und eine steigende soziale Ungleichheit“.

Bettina Kohlrausch, die wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Böckler-Stiftung, sagte, „der erhoffte Sommer der Befreiung ist für viele ausgeblieben, die Gesellschaft verharrt im Zwiespalt“. Blicke man auf die allgemeinen Statistiken etwa zur Wirtschaftsentwicklung, sei der Weg aus der Krise erkennbar. „Aber bei etlichen Menschen kommt dieser Fortschritt nicht voll an. Viele registrieren ganz offensichtlich genau, was im Land gut funktioniert, und was nicht. Sie sehen, dass jenseits der grundsätzlichen Stabilität, für die ein weitgehend funktionierendes Sozial- und Gesundheitssystem gesorgt haben, bekannte und sogar neue soziale Ungleichheiten in der Pandemie zu Tage treten.“

Die Ergebnisse hätten erneut bestätigt, dass Beschäftigte, die schon vor der Krise wirtschaftlich schlechter gestellt waren, während der Pandemie auch noch häufiger an Einkommen eingebüßt haben. Es zeigt sich, dass Menschen mit niedrigen Einkommen bei den Impfungen weiterhin etwas zurückliegen. Und die Unterschiede zwischen Müttern und Vätern bei Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit haben sogar wieder etwas zugenommen.“

Dass mehr Menschen mit dem politischen Krisenmanagement unzufrieden sind und zugleich das Gefühl haben, dass Arbeitsmarkt und soziale Sicherungssysteme im Großen und Ganzen funktionieren, sei nur ein scheinbarer Widerspruch, so Kohlrausch. Klar sei jedenfalls, dass die bewährten Sicherungsmechanismen des Sozialstaats in Folge der Pandemie nicht geschwächt werden dürften, „etwa mit der Begründung, es sei kein Geld mehr da. Sie sollten im Gegenteil weiter gestärkt und auch für diejenigen zugänglich gemacht werden, die bislang nur lückenhaft geschützt sind“.