Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Selbstverwaltet und solidarisch wohnen

Foto: Michael Gaida / Pixabay

Der große linke Politikwissenschaftler Elmar Altvater hat Genossenschaften einmal als einen Beleg dafür bezeichnet, „dass auch in der dominant kapitalistischen Gesellschaft nicht alle Räume durchkapitalisiert sind und dass in den ›Residuen‹ anders, nicht individualistisch und privat, sondern ›eingebettet in die Gesellschaft‹ kollektiv gewirtschaftet werden kann“. Auch in der Wohnungsfrage wird oft auf die Rolle von Genossenschaften für eine solidarische Neuausrichtung der Wohnungspolitik verwiesen. Eine aktuelle Broschüre der Rosa-Luxemburg-Stiftung schaut nun etwas genauer auf dieses Thema.

„Welchen Beitrag leisten Genossenschaften zur gesellschaftlichen Transformation?“, heißt es im Vorwort. Darin erinnern die Autor*innen auch daran, „dass Genossenschafter*innen in den stadtpolitischen Auseinandersetzungen der letzten Jahre kaum sichtbar waren“. Stattdessen habe man auch von der Seite der Genossenschaftsverbände das „Loblied auf den privaten Wohnungsmarkt“ gehört, Vertreter*innen von Genossenschaften hätten sich bisweilen gegen Mietendeckel ausgesprochen.

Ziel des Heftes sei es daher, „die grundlegenden Ideen der Genossenschaftsbewegung – Selbstverwaltung, Solidarität und Wohnen ohne Renditedruck – starkzumachen, ohne die damit verbundenen Probleme zu verschweigen, und diese Erfahrungen und Prinzipien zurück in den stadtpolitischen Diskus zu tragen“. Dazu werden auch die „Spannungen und Widersprüche“ der Genossenschaftsbewegung im Wohnungsbereich dokumentiert.

„Die unterschiedlichen Formen von Wohnungsgenossenschaften zeigen, dass sie einerseits die gesellschaftlichen Verhältnisse widerspiegeln, andererseits aber auch Möglichkeiten bieten, diese Verhältnisse mitzugestalten“, heißt es in der Broschüre. Und: „Ohne Genossenschaften wird die Transformation des Immobilien- und Wohnsektors auf halber Strecke steckenbleiben. Die Kompetenz, die Genossenschafter*innen in die Transformationsprozesse einbringen können, ist das Wissen um den Umgang mit Kollektiveigentum in Selbstverwaltung und Solidarität. Dieser Erfahrungsschatz mag zum Teil verschüttet sein, er stellt aber – allen Abund Umwegen der Genossenschaftsbewegung zum Trotz – ein großes Potenzial dar.“

Redaktionsgruppe Die Genossenschaftler*innen: Selbstverwaltet und solidarisch wohnen. Genossenschaften und ihre Bedeutung für eine gemeinwohlorientierte Wohnungspolitik, 95 Seiten, Rosa Luxemburg Stiftung 2021.