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Parlamentsreport 13-2021

Neue Wege

Als Thomas Morus 1516 auf Betreiben seines Freundes Erasmus von Rotterdam seinen philosophischen Dialog „Von der besten Verfassung des Staates und von der neuen Insel Utopia“ herausbrachte, waren die gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit noch nicht zu erahnen. Der Titel des Werks aber setzte Maßstäbe bis heute: Sich eine positive, alternative Gesellschaft vorzustellen, zu beschreiben, wie es anders, besser geht, wird immer noch als Utopie bezeichnet. Wenn damit mitunter etwas abwertend gemeint ist, dass es sich dabei doch um unrealisierbare Ideen handele, sollte man an Ernst Bloch erinnern.


Der hat mit seinen Gedanken über „konkrete Utopien“ verdeutlicht, wie wichtig solche sozialutopischer Antizipationen sind: Utopie ist nicht irgendetwas Jenseitiges, sondern wird schon im Prozess ihrer Verwirklichung real – als Kompass, als Antrieb, als Rahmen dafür, sich tastend und experimentierend auf das neue Andere hinzubewegen.


Man kann es auch so sagen: Gerade deshalb, weil es heute so dringend Veränderung braucht, sind Utopien nötig. Dass wirkliche Lösungen für Klimakrise und soziale Ungleichheit nicht im selben gesellschaftlichen Rahmen gefunden werden können, der sie aufgrund seiner strukturellen Zwänge erst hervorbringt, ist so einleuchtend wie schwer zu denken. Überwinden? Ja, aber wie und wohin?


Etwas anderes, besseres als der real existierende Kapitalismus braucht deshalb die Utopie. In dieser Ausgabe stellen wir „Vorschläge für eine demokratische Ökonomie“ vor, die die Möglichkeit von „Alternativen zum Kapitalismus“ nicht nur behaupten, sondern konkret ausmalen wollen. In Zeiten, in denen plötzlich alle von der Notwendigkeit einer großen Transformation sprechen, sind solche Ankerpunkte für die Diskussion besonders wichtig.


Denn Transformation ist nicht gleich Transformation. Es kommt auf die Richtung an, auf das Ziel, darauf, wer dabei wie beteiligt und unterstützt wird. Nicht zuletzt helfen Utopien dabei, deutlich zu machen, wie groß und umfassend die Veränderung heute sein müssten, aber wie groß der Gewinn für die Gesellschaft wäre. In sozialer, ökologischer, demokratischer, freiheitlicher Hinsicht. Und Sie werden in dieser Ausgabe durchaus Ansätze finden, wo Menschen neue Wege gehen, ganz praktisch, konkret utopisch sozusagen. Ihre Redaktion