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Nr. 20/2010: „Jeder macht seins“ oder „Die Vision vom großen Ganzen“

Knut Korschewsky ist einer, der auch privat gern verreist. Das macht sich - selbstredend - für einen tourismuspolitischen Sprecher nicht schlecht. Denn geht einer gern auf Reisen, kann er fundiert begründen, warum und in welche Ferne er schweift. Und dass nah und fern als relative Bezugsgrößen immer im Auge des Betrachters liegen - und deshalb zusammen gehören -, das weiß Korschewsky auch.


Deshalb ist es ihm im Hinblick auf den Thüringer Tourismus um das große Ganze zu tun. Zum einen müsse der Freistaat mit einem einheitlichen Plan aufwarten, anstatt sich in kleinstaatlerichen Animositäten zu zerfasern. Zum anderen gelte es, Thüringen als Urlaubsziel für Menschen aus dem Osten als auch aus dem Westen - und für internationale Gäste attraktiv zu machen. Und zwar nicht nur für wanderlustige Senioren.
Was Korschewsky freut, ist die höhere Wichtung, die dem Tourismus durch den SPD-Wirtschaftsminister Matthias Machnig zuteil wird - begreife dieser ihn doch als ein wichtiges wirtschaftliches Standbein. Zudem stehe noch 2010 eine Neubewertung des immerhin schon sechs Jahre alten Tourismuskonzepts auf der Agenda. Was Korschewsky allerdings ärgert: Die jüngste Infratest-Studie weist das grüne Herz Deutschlands als für potenzielle Urlauber aus den so genannten alten Bundesländern nahezu gänzlich unbekanntes Terrain aus. Damit nicht genug: Die jüngere Klientel - insbesondere Familien mit Kindern - fände nach dem jetzigen Tourismus-Plan kaum Berücksichtung. Zudem komme Thüringen nicht weg von seinem faden Wald- und Bratwurstland-Image.
„Es gibt keine einheitliche Vermarktungsstrategie, die Thüringen für Gäste, egal ob aus dem Osten, dem Westen oder dem Ausland, attraktiv macht“, sagt Korschewsky. Geworben würde für die verschiedenen Sequenzen – wie Kulturtourismus (Weimar, Eisenach, Altenburg), Gesundheitstourismus (Bad Salzungen, Bad Lobenstein), Wandertourismus (Rennsteig) und so weiter – stets separat. „Wir brauchen für diese unterschiedlichen Marktsequenzen aber eine einheitliche Vermarktungsstrategie“, insistiert der LINKE Landtagsabgeordnete. Das Hauptproblem: „Jeder macht seins“, sagt Korschewsky – und kommt sogleich auf den Städtetourismus zu sprechen. Weil jeder Region nur auf ihr Lokal-Marketing bedacht sei, fehle eine einheitliche Strategie. In der Konsequenz bliebe die Verweildauer gering. Es sei doch sehr ungünstig, wenn ausländische Touristen, die beispielsweise Weimar besuchen, in Unkenntnis über die Existenz des Inselsberges gelassen würden.


Insgesamt gelte es, den Tourismus in Thüringen zu stärken – im Hinblick auf Vermarktung und Infrastruktur; im Hinblick auf Thüringens Highlights. Für Korschwsky sind dies an erster Stelle das Wintersportgebiet Oberhof und das so genannte „Thüringer Meer“ um Hohenwarte- und Bleilochtalsperre. Wenn Machnig Oberhof als einen „touristischen Leuchtturm“ begreife, müssten auch die entsprechenden Finanzmittel her, um genügend ansprechende Hotels auf heutigem Standard zu schaffen. Dringend angegangen werden müsste der Ausbau der Sportstätten. In diesem Jahr entfalle bereits der Weltcup in der Nordischen Kombination, sagt Korschewsky, der gleichfalls auch Fraktionssprecher für den Bereich Sport ist. Er hofft, dass der Stadt nicht auch noch der Biathlon-Weltcup abhanden kommt. Denn: „Wenn der einmal weg ist, dann ist auch der Olympia-Stützpunkt weg - und mit ihm die Fördermittel.“ Daher müsse schmnellstens etwas passieren.


Das gilt auch für das „Thüringer Meer“, das er „einmalig“ findet. Hier scheitere ein einheitliches Marketing an der Uneinigkeit der Landkreise Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla. Hier müssten kreisübergreifende Infrastrukturmaßnahmen her. Zudem gebe es zwar diverse Campingmöglichkeiten, aber keine Hotels. Das verschrecke jene, die gern hier Urlaub machen wollten, aber nicht unbedingt Lust aufs Zelten hätten. Gerade um die Jungen anzulocken, müssten verstärkt Wassersportangebote, Gastronomie und Unterhaltung her. Alles dies schaffe Arbeitsplätze, nütze der Region nachhaltig, und – hier erweist sich der linke Tourismussprecher als Idealist – verhindere Abwanderungen in den Westen, wodurch der demographische Faktor entschärft werden könnte.
Und dann holt Korschewsky, gebürtiger Sachsen-Anhaltiner, noch einmal aus – und gerät über ein Mitteldeutschland-Konzept ins Schwärmen, das Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen einen würde. Dann wären die Zeiten vorbei, in denen Tourismus-Karten an der Landesgrenze aufhören – egal ob Wein- bzw. Porzellanstraße oder Radweg „drüben“ weiter gehen oder nicht.


Constanze Alt