Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Linke Politik auf dem und für das Land Progressiver Ruralismus: Studie blickt nach Hessen

Was kann Struktur- und Regionalpolitik dazu beitragen, das Leben in strukturschwachen und ländlichen Räumen zu verbessern? Von der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse ist in der Politik oft die Rede. Aber welche Hebel müssen in Bewegung gesetzt werden, um dem näher zu kommen? Diesen Fragen geht eine aktuelle Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung am Beispiel Hessens nach.


Aus der Perspektive von Kritischer Geographie und Kritischer Regionalwissenschaft wird darin untersucht, wie bisher in dem Bundesland Struktur- und Regionalpolitik betrieben wird. Darüber hinaus geht aber auch um linke Ansätze einer Politik auf dem und für das Land, die Benachteiligungen überwindet und Lebensverhältnisse verbessert. Dies ist nicht zuletzt angesichts der auffällig hohen Stimmengewinne rechtspopulistischer Parteien in diesen Regionen eine wichtige Frage.


In einem ersten Schwerpunkt geht es also um kritische Bilanz. Viele Dörfer haben keinen Anschluss mehr an den öffentlichen Nahverkehr, es fehlt an ortsnahen Kindergärten, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, die Probleme der Anbindung mit einem schnellen Internet und einer ausreichenden ärztlichen Versorgung kommen hinzu. Dies hat auch Auswirkungen auf Siedlungsstruktur und Wohlstandsverteilung. In Hessen hat es zu einem deutlichen Gefälle zwischen der urbanisierten RheinMain-Region und seinen tendenziell peripherisierten Landesteilen geführt.
Als gemeinsame Klammer für ortsangemessene Strategien der Verbesserung schälen die Autor*innen Ansätze wie „Die Arbeit zu den Menschen“ und „Recht auf Dorf“ hinaus. Denn ohne ausreichende und dauerhafte Arbeitsplätze in den ländlichen Räumen werde sich der Wegzug in die Metropolen mit allen Konsequenzen nur schwer stoppen lassen. Für konkrete Veränderungen sieht die Studie andere Mehrheiten im Bund und auf Landesebene als nötig an. Dies könne auch einen „progressiven Ruralismus“ fördern, der an bestehende Ansätze ländlicher Entwicklung anschließt, zugleich aber über sie hinausgeht, „um gesellschaftliche Utopien jenseits großstädtischer akademischer Milieus zu entwickeln“, wie es in der Studie heißt. Entscheidend sei, ob es gelingt, solidarische Wege aus der Unterfinanzierung zu finden und Politik auf dem und für das Land zu demokratisieren. PR

 


 

Bernd Belina, Andreas Kallert, Michael Miessner und Matthias Naumann: Gleichwertige Lebensverhältnisse? Zur Entwicklung ländlicher Räume in Hessen, 77 Seiten, Berlin 2020.