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Immer wieder, immer noch: Probleme des Klassenkampfes? Heft 200 der „Prokla“

Im November 1971 erschien das erste Heft der Zeitschrift „Probleme des Klassenkampfes“. Das publizistische Projekt war einerseits Ergebnis eines Konflikts in einer bereits bestehenden Zeitschrift, andererseits und damit eng verwoben reflektierte der Start der „Prokla“ auch die Auseinandersetzungen am Übergang zwischen Studentenbewegung und neuer Hinwendung zur Arbeiterklasse.


Fast ein halbes Jahrhundert später zeichnet nun David Bebnowski in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift diese Gründungszeit nach. Statt dogmatischer Verhärtungen und leerer Bekenntnisse zum „Standpunkt des Proletariats“, wie sie seinerzeit populär geworden waren, ging es um genaue und messerscharfe Analyse. Der Klassenkampf sollte dabei der zentrale Bezugspunkt auch der neuen Zeitschrift sein, die Suche nach Zusammenhängen zwischen linken Intellektuellen und den gesellschaftlichen Kämpfen der damaligen Zeit ein Ziel.
Probleme gab es freilich nicht nur mit dem Klassenkampf, sondern auch mit dem Klassenbegriff – und auch wenn auch viele andere Themen in der „Prokla“ Platz fanden, so widmeten sich doch immer wieder zahlreiche Beiträge der theoretischen Schärfung der Kategorien und ihrer Brauchbarkeit.


Im nun erschienen Heft mit der runden Nummer 200 macht sich die Redaktion auf, „die wissenschaftliche und politische Relevanz des Klassenkampf-Begriffs nochmal expliziter in Augenschein zu nehmen, um die ‚Probleme des Klassenkampfs heute‘ besser zu begreifen“, heißt es im Editorial. Es geht um Fragen wie: Wo beginnen Klassenkämpfe, welche gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und Praktiken sind darunter zu zählen? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Klassenlage, Klassenerfahrung und Klassenkampf? Worin liegt der klassenpolitische Gehalt antirassistischer, feministischer und ökologischer Kämpfe?


So analysiert etwa Thomas Sablowski die Wirtschaftspolitik während der Corona-Krise aus einer klassenanalytischen Perspektive. Er zeigt, dass die Maßnahmen vor allem denjenigen zugutekommen, die im großen Umfang über Produktionsmittel verfügen. Alex Demirović skizziert Klassenkämpfe als Konfliktdynamik, die allen gesellschaftlichen Praktiken zugrunde liegt. Sie finden also nicht nur dann statt, wenn sie sich explizit als solche artikulieren und organisieren, sondern bestimmen stets das Zusammenleben der Menschen. Weitere Informationen zum Inhalt des Heftes finden sich unter prokla.de. PR

 

Probleme des Klassenkampfs – heute. Prokla Bd. 50 Nr. 200 (2020), Verlag Bertz + Fischer Berlin, 168 Seiten, 15 Euro.