Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Für die vollste Entfaltung seiner Möglichkeiten: Die neue „spw“ über Digitalen Sozialismus

Wie könnte ein digitaler Sozialismus aussehen? Dieser Frage geht die neue Ausgabe der linkssozialdemokratischen Zeitschrift „spw“ in einem umfangreichen Schwerpunkt nach. Autor*innen wie Constanze Kurz, Anke Domscheit-Berg, Sabine Pfeiffer, Dieter Klein, Klaus Dörre, Klaus-Jürgen Scherer und Timo Daum entfalten in dem Heft dabei einen recht weiten Horizont an Vorstellungen und kritischen Reflexionen. So wird ein breites Spektrum möglicher Reformen und Handlungsansätze zur Überwindung des digitalen Kapitalismus sichtbar – durchaus kontrovers.
In der Diskussion, die nicht zum ersten Mal in der „spw“ aufgegriffen wird, geht es um eine Theorie der Veränderung auf der Höhe der Zeit. Mit Erich Fromm gesprochen: Wenn Sozialismus heißt, „dem Menschen die Bedingungen für die vollste Entfaltung seiner Möglichkeiten, seiner Vernunft, seiner Liebe und seiner Kreativität zu bieten“, und Sozialismus eine Gemeinschaft anstrebt, „in der die volle Entwicklung jedes einzelnen die Voraussetzung für die volle Entfaltung aller ist“, dann ist für linke Kräfte die Frage zentral, welche Beiträge die Digitalisierung zur Erreichung dieses Ziels liefern kann.


Und so skizziert etwa Klein die Konturen einer sozialistischen Regulierungsweise, in deren Mittelpunkt drei Mechanismen wirken: gesellschaftlich-strategische Planung, ein eingehegter Marktmechanismus und das Handeln zivilgesellschaftlicher Akteure. Dörre sieht die Notwendigkeit, eine wirtschaftsdemokratisch basierte Gemeinwohlökonomie durchzusetzen, die die Nutzung digitaler Produktivkräfte zu einem öffentlichen Gut macht. Daum denkt kritisch über das Bedingungslose Grundeinkommen als „das passende Sozialsystem des digitalen Kapitalismus“ nach und Scherer stellt das Konzept der öffentlichen Güter in den Mittelpunkt seines Beitrags.
Domscheit-Berg plädiert für eine alternative Ökonomie, deren Ausbau und Koordination vor allem dezentral und kommunal erfolgen soll. Kurz sieht eine Politik progressiver Strukturreformen als erfolgversprechend an, wobei im Zentrum die Notwendigkeit der Demokratisierung der Arbeitswelt steht. Und Pfeiffer spricht über die Blockade von Produktivitätsspielräumen, die durch neue progressive institutionelle Arrangements gelöst werden könnten – was freilich aufgrund der immer noch wirkenden Dominanz neoliberaler Hegemonie nur schwer umsetzbar sei. PR

 


 

spw – Zeitschrift für sozialistische Politik und Wirtschaft, Heft 240, 5/2020, 112 Seiten, Dortmund 2020.