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Markus Gleichmann

Europäische Wurzeln stärken

Europapolitischer Sprecher Markus Gleichmann ist Mitbegründer des Städtepartner Vereins Kahla und sieht in den Partnerschaften eine besondere Bedeutung. Aus diesem Grund war er Ende Mai zu Besuch bei städtepartnerschaftlichen Vereinen in Thüringen.  „Städtepartnerschaften sind eine europäische Grundlage und deshalb sehr wichtig. Die Städtepartnerschaften sind der Grund, dass die Menschen auch in andere Länder gekommen sind und Kontakt zu der Bevölkerung bekommen haben. Meist verbindet die Städte ein gemeinsamer inhaltlicher Hintergrund, warum sie zueinander gefunden haben und das ist sehr spannend!“
Die Idee der Städtepartnerschaft entstand hauptsächlich nach dem Zweiten Weltkrieg, um die durch zwei Weltkriege in Europa aufgerissenen Wunden zu heilen. Die Partnerschaften sollten öffentlichkeitswirksam eine langfristige Methode sein, um Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenzuführen. Im Mittelpunkt stehen der Austausch der Bürger:innen und das Kennenlernen der anderen europäischen Kulturen. In den 1980er Jahren erlaubte die Lockerung des Eisernen Vorhangs partnerschaftliche Beziehungen zwischen bundesdeutschen und DDR-Gemeinden. In diesem Rahmen wurde am 25. April 1986 die erste deutsch-deutsche Städtepartnerschaft aufgenommen, zwischen Saarlouis im Saarland und Eisenhüttenstadt in Brandenburg. Diese war vor allem auf die Vermittlungen des damaligen saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine und des Vorsitzenden des Staatsrats, Erich Honecker, zurückzuführen. Ähnliches geschah in Aachen.


Nach der Wende war es den DDR Bürger:innen dann auch möglich, endlich selbst zu Besuch in die europäischen Partnerstädte zu reisen. Bei seinem Termin in Bad Tabarz lernte der Abgeordnete Gleichmann die Mitglieder des ansässigen Partnerschaftsvereins kennen. Auch sie berichteten, dass der Besuch ihrer französischen Partnerstadt Vrigne aux Bois zunächst einseitig verlief. Seit 1972 besteht der „Freundschaftsvertrag“ zwischen den beiden Städten. Vor der Wende war die Verbindung jedoch eher auf politischer Ebene. Dennoch habe man gute Erinnerungen an die Begegnungen mit vor allem Jugendlichen aus der Partnerstadt, die nach Bad Tabarz kommen durften. Erst ab 1990 war es möglic,h auch in einen „bürgerlicheren Austausch“ zu treten, so der Vereinsvorsitzende Hartmut Reske. 1991 wurde die Partnerschaft dann noch einmal erneuert. In diesem Jahr findet eine große Feierlichkeit zur 50-jährigen Verbindung statt, zu der 40 Personen aus Bad Tabarz nach Frankreich reisen. Dort hätte die Partnerschaft eine sehr hohe Stellung, auch das lässt der groß angelegte Festakt erkennen. Ebenso ist die Wertschätzung der Verbindung zu sehen, dass in Vrigne aux Bois ein ganzer Park nach Bad Tabarz ausgestaltet wurde, berichtet der Vorsitzende stolz.
Markus Gleichmann interessiert bei seinen Besuchen, wie die Partnerschaft umgesetzt wird. Denn hier sehe man, wie die europäischen Wurzeln gelebt werden. Auch wenn gegenseitige Besuche oftmals im Zentrum der Aktivitäten stehen, gibt es sowohl bei diesen, als auch bei den Aktivitäten darum viele unterschiedliche Wege, die Partnerschaft zu leben. Deshalb interessiert ihn auch, wo vielleicht auch Herausforderungen in den Zusammenschlüssen sind. Nicht nur der Partnerschaftsverein Tabarz e. V. sieht die größte Herausforderung in der Nachwuchsgewinnung. Auch in Crawinkel stellt man sich die Frage, wie die Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Juneville weitergetragen werden kann. Gerade die an Europa interessierten jungen Erwachsenen würden die Stadt schnell nach der Schule verlassen um in die Welt hinauszugehen. Ortsteilbürgermeister Heinz Bley sieht jedoch eine große Chance in der Einbindung der Jugendvereine. Mit Vereinen binde man die jungen Menschen an die Stadt und schaffe eine gemeinsame Identität. „Ein stückweit geht das auch gegen den Zeitgeist, der ja eher auf die individuelle, persönliche Entwicklung setzt. Bei der Städtepartnerschaft geht es um kollektive Identität. Über die Städte und Dörfer soll eine gemeinschaftliche Verbindung geschaffen werden“, sagt Dominik Günther, der aktives Mitglied des Partnerschaftsverbundes ist. Auch die Städtepartnerschaft zwischen Crawinkel und Juneville feiert in diesem Jahr 30-jähriges Jubiläum. Ebenso wie in der Partnerstadt von Bad Tabarz wird die Feierlichkeit hoch angesetzt. Das wichtigste an der Partnerschaft sieht OB Bley jedoch im Familiären. „Deutsche Familien kommen bei französischen Familien unter und andersherum. Das ist das Schöne, die unterschiedlichen Kulturen kennenzulernen und dass sich daraus über die Jahre auch Freundschaften entwickeln.“


Städtepartnerschaften leben von den Menschen, die sie aktiv leben. „Das ist das Besondere an Partnerschaftsvereinen, die ehrenamtlich betrieben werden. Anders als bei öffentlichen Trägern ist hier so viel Herzblut und Engagement zu sehen“, betont der Abgeordnete Gleichmann. In Arnstadt sind es sogar drei Städtepartnerschaften, deren Ausgestaltung sich der Freundschaftsverein für Partnerstädte Arnstadt e.V. angenommen hat. Le Bouscat in Frankreich, Gurk in Österreich und Dubi in Tschechien. Das Besondere daran ist, dass die Städte sich mittlerweile auch untereinander besuchen. Zwei von den Verbindungen sind persönlich entstanden. Vereinsvorsitzende Martina Lang erklärt, dass es darum geht, „Brücken zu bauen mit den Menschen, die dort und hier vor Ort leben“. Sie schrieb vor einigen Jahren sogar ein Kochbuch, in dem jede Partnerschaft mit ihren Besonderheiten vorgestellt wird und sich dann jeweils mit regionalen Rezepten präsentiert. Für die Fotos wurden alle Rezepte durch den lokalen Verein nachgekocht. Neben der Problematik der Nachwuchsgewinnung ist auch der finanzielle Aspekt bei allen besuchten Vereinen ähnlich herausfordernd. Die Möglichkeiten der Teilhabe, vor allem an den Städtefahrten und Austauschprogrammen, stelle einige Familien vor gewaltige Herausforderungen. Die meisten Vereine tragen sich lediglich über Mitgliedsbeiträge und Spenden, mit denen nur Teile der Reise- und Programmkosten gedeckt werden können. Deshalb zeigte Markus Gleichmann bei seinen Besuchen noch einmal auf, welche Fördermöglichkeiten die Akteure haben. Neben größeren Fördertöpfen bietet auch der Alternative 54 e. V. einen niederschwelligen Weg, 500 Euro zu erhalten.
Mehr denn je ist es wichtig den europäischen Geist aufrecht zu erhalten und die Verbindung zwischen den europäischen Ländern zu leben. Die Städtepartnerschaften sind ein reales Beispiel, wie interkultureller Austausch in der Bevölkerung funktionieren und auch schwierige Krisen überstehen kann.