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Erfolgsmodell Inklusion

Hinter dem AK Soziales liegt ein ereignisreicher Tag, der einmal mehr zeigte: Inklusion in Unternehmen ist eine echte Chance für den Arbeitsmarkt.
Begonnen hat der Tag zunächst mit einem Besuch bei der Erfurter Bürgermeisterin Anke Hofmann-Domke. Anschließend nahmen die Abgeordneten Karola Stange, Cordula Eger, Lena Saniye Güngör und Ralf Plötner an einer Gesprächsrunde mit Mitgliedern des Seniorenbeirats teil. Die Senior:innen hatten die Möglichkeit, direkte Fragen an die Abgeordneten und vor allem an die seniorenpolitische Sprecherin Cordula Eger zu stellen. Thema war unter anderem das Programm AGATHE. Es richtet sich an ältere Menschen, die in Rente sind und allein in ihrem Haushalt leben. Sie können sich von Fachkräften beraten lassen und so von Angeboten erfahren, durch die sie am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Die Fachkräfte geben Tipps, wo es Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten gibt. So sollen sich ältere Menschen dank AGATHE weniger einsam fühlen und wieder ein Teil der Gemeinschaft werden beziehungsweise bleiben.

Die Senior:innen begrüßen das Programm, wünschen sich jedoch einen weiteren Ausbau. „Wir verlangen konkrete Maßnahmen. AGATHE ist gut, aber es muss weiter gehen“, plädiert ein Senior. Auch die Seniorenclubs müssten gefragt und in die Diskussionen einbezogen werden. Cordula Eger nahm sich dem an und erklärte, „die Zeit hat gezeigt, dass das Programm AGATHE noch nicht in allen Landkreisen und Städten funktioniert. Deshalb müssen wir jetzt nachbessern. Wir wollen schauen, wie die Senior:innen besser in den Entwicklungsprozess eingebunden werden können“.
Vom Rathaus in Erfurt ging es für die Abgeordneten und Mitarbeitenden des AK Soziales mit dem Elektrobus der Lebenshilfe Erfurt zum Schloss Molsdorf. Die Lebenshilfe Erfurt ist mit ihrem Gastronomiebereich das zweitgrößte Inklusionsunternehmen Mitteldeutschlands und beschäftigt etwa 250 Mitarbeitende, davon auch 131 Menschen mit Behinderung. Darüber hinaus bieten sie in sechs Bereichen Ausbildungsberufe an. Neben dem Parkcafé im Schloss Molsdorf betreibt die Lebenshilfe verschiedene andere gastronomische Einrichtungen und Gästehäuser. Als Inklusionsunternehmen sind sie ebenso wirtschaftlich orientiert, werden aber durch Inklusionsförderung subventioniert. Menschen mit Behinderung arbeiten hier auf dem ersten Arbeitsmarkt. Dem Unternehmen ist es dabei wichtig, nicht direkt auf den inklusiven Ansatz hinzuweisen. „Wir sind ebenso ernst zu nehmen wie jedes andere Unternehmen“, betont Stefan Reichert, Betriebsleiter der gesamten Gastronomie der Lebenshilfe Erfurt. Ebenso steht die Lebenshilfe vor den Herausforderungen des Fachkräftemangels und allgemeinen der Kostensteigerungen. Sie wollen die Ausbildungsberufe noch stärker in den Fokus nehmen und werben dazu direkt in den Inklusionsschulen an.
In Molsdorf kann man neben der Konditor:innenlehre auch eine Ausbildung zur Küchenfachkraft absolvieren. Im Café wird sieben Tage die Woche Kuchen gebacken, am Wochenende ist das Café für Besucher:innen geöffnet. Sogar ein Frühstücksangebot gibt es hier. Dass die Hälfte der Mitarbeitenden Menschen mit Behinderung sind, soll kein Thema sein und es kommt sehr selten vor, dass man die Gäste um etwas mehr Rücksicht für das Personal bitten muss.

Die barrierefreien Gästehäuser „Dreibrunnen“ und „Pulverhütte“ an und auf dem EGA-Parkgelände in Erfurt werden ebenso von der Lebenshilfe Erfurt betreut. Die Corona-Pandemie zeigt auch hier ihre Folgen, aber im Moment vor allem auch der Angriffskrieg auf die Ukraine. 60 Geflüchtete leben im Gästehaus „Dreibrunnen“. Viele von Ihnen sind alte Menschen und Menschen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind. Hier war man im engen Austausch mit den Behörden der Stadt Erfurt. Grundsätzlich ist zwischen der Verwaltung der Landeshauptstadt und der Lebenshilfe über die Jahre eine verlässliche Partnerschaft entstanden. Weitere gastronomische Angebote sind noch geplant, so eine „gläserne Eismanufaktur“ auf der EGA oder ein Café-Container im Luisenpark. „Als Inklusionsbetrieb ist die Beantragung weiterer geförderter Arbeitsplätze natürlich auch mit Aufwand verbunden“, erklärt Kati Rohling, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe Erfurt. „Aber gerade bei dem Thema Fachkräftemangel wird das Thema Inklusion noch vollkommen unterschätzt. Wir wollen gern als Modellprojekt für andere Regionen dienen. Denn hier bei uns zeigt sich, welche Chancen Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt bringen können. Inklusionsunternehmen sind eine echte Alternative und können auch ein Erfolgsmodell sein!“ Abschließend zum Tag resümiert  Abgeordnete Karola Stange, behindertenpolitische Sprecherin der Fraktion: „Am Beispiel der Lebenshilfe zeigt sich, dass Inklusion eine Positivbeispiel für den ersten Arbeitsmarkt bietet. Unternehmen brauchen keine Angst vor Inklusion zu haben. Sie bietet viele Chancen und ist bereichernd“.

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