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Daniel Reinhardt

Die etwas andere Ausbildung - Neue Chancen durch „PiA"

Im Kindergarten werden dringend neue Erzieher:innen gesucht. Überall in Thüringen. Aber woher kommen eigentlich diese Erzieher:innen - und was muss man machen um später mal im Berufsleben mit Menschen im Alter zwischen 0-27 Jahren in Thüringen arbeiten zu dürfen? In der Regel macht man hierzu zwei Ausbildungen, welche fünf Jahre lang dauern. Erst eine zweijährige einschlägige Berufsausbildung und dann noch mal drei Jahre die Ausbildung zum/zur Erzieher:in. Ein großer Nachteil dieser konsekutiven Ausbildung ist, dass diese ohne Ausbildungsvergütung angeboten wird. In Thüringen geht es aber auch anders: Und zwar mit der praxisintegrierten Ausbildung (PiA). Sie ist die Alternative zur staatlich anerkannten Erzieher-Ausbildung. An sich ist die PiA - nichts Neues, da 12 von 16 Bundesländern diese Ausbildungsform schon etabliert haben. Lediglich drei Bundesländer haben es noch als Modellprojekt laufen, obwohl die Vorteile klar auf der Hand liegen. Vorteile der praxisorientierten Ausbildung sind zum einen die verkürzte Ausbildungszeit auf drei Jahre einschließlich des Berufspraktikums und zum anderen entsprechen die Lehrplaninhalte der normalen Erzieher:innenausbildung.
Außerdem verteilen sich die Unterrichts- und Praxiszeiten gleichmäßig auf die drei Jahre Ausbildung. Damit arbeiten die Auszubildenden der PiA während der Ausbildung bereits im Kindergarten und sind somit an beiden Lernorten tätig. Auch die enge Zusammenarbeit der Fachschulen mit den Praxiseinrichtungen trägt zur Zufriedenheit der Auszubildenden bei. Und das beste zum Schluss: man erhält ein eigenes Einkommen. Ab 1300 Euro aufwärts können insbesondere Quereinsteiger:innen, sich nun diese Ausbildung in wahrsten Sinne des Wortes „leisten“. In Thüringen ist die praxisorientierte Ausbildung seit 2019 ein Modellprojekt und soll vorerst bis 2023 laufen. Ziel ist es durch die Möglichkeit des veränderten Einstiegs in das Berufsfeld der Erzieher:in neue Bewerberschichten zu gewinnen. Auch in diesem Jahr haben rot-rot-grün für 60 weitere PiA-Ausbildungsplätze ca. 5 Millionen Euro im Haushalt gesichert. Auf die Bundesregierung konnten sich der Freistaat und die Auszubildenden nicht verlassen.
Dass die PiA in Thüringen ein Erfolg ist, um mehr Fachkräfte für die pädagogische Arbeit zu gewinnen, zeigt die „Expertise zur praxisintegrierten Ausbildung. Überblick, Perspektiven und Gelingensbedingungen.“ (Weltzien, D., Hoffer, R., Hohagen, J., Kassel, L. & Wirth, C. (2021)). Unter den Auszubildenden der praxisintegrierten Ausbildung befinden sich mit 35 Prozent ein hoher Anteil an Seiteneinsteigenden und rund 32 Prozent mit fachfremden Berufsabschlüssen.
Natürlich gibt es auch Nachteile in der praxisintegrierten Ausbildung. So sagen Auszubildende aus dem Programm, dass das ständige Pendeln zwischen den Lernorten sehr anspruchsvoll ist. Außerdem gibt es keine Ferien, was in der konsekutiven Ausbildung der Fall ist. In Thüringen gibt es zudem den großen Nachteil, dass das PiA-Programm nicht im Gesetz verankert ist, sodass per Losverfahren entschieden wird, wer einen Ausbildungsplatz bekommt.
DIE LINKE Fraktion im Thüringer Landtag möchte in der zweiten Hälfte des Jahres eine Novellierung des Thüringer Kindergartengesetzes vornehmen und unter anderem die praxisintegrierte Ausbildung im Gesetz verankern. Warten muss man nun noch auf den Bund - welcher ein umfassendes Bildungspaket auch im Kindergartenbereich versprochen hat.