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Der Zweck ist entscheidend - Sammelband regt neue Diskussion über Planung an

Wenn hierzulande jemand mehr öffentliche Eingriffe in die Ökonomie vorschlägt, zum Beispiel um Wirtschaftsprozesse im gesellschaftlichen und im Umweltinteresse demokratisch zu lenken, ruft gleich jemand warnend „Nur keine Planwirtschaft!“ Es folgen Verweise auf die Geschichte, aus denen der Schluss gezogen wird, „Marktfeindlichkeit“ habe sich nie bewährt. Aber hat dies denn „Marktfreundlichkeit“? Und planen die heutigen Unternehmen und Staaten gar nichts?

„Der Markt soll es angeblich immer richten, dabei plant das Kapital selbst, was das Zeug hält“, heißt es zu einem aktuellen Sammelband des Berliner Karl Dietz Verlages, der sich der „unsichtbaren Hand des Plans“ zuwendet. Der Bogen ist weit gespannt – er reicht von der Frage, wie viel Planung eigentlich in dem Schaffen von Karl Marx steckt, über historische Planungsdebatten nicht nur der gesellschaftlichen Linken; bis zum algorithmischen Management im digitalen Kapitalismus und den künftigen Möglichkeiten, mit kybernetischen Instrumenten und Planungsdenken zu sozialer Befreiung zu kommen.

Heute überlassen Plattform-Giganten wie Amazon, Google und Alibaba mithilfe von Big Data, Algorithmen und Feedback-Technologien nichts mehr dem Zufall. „Sie perfektionieren Logistik und Produktion und identifizieren Kundenwünsche, noch bevor sie ausgesprochen werden. Ließen sich die neuen Technologien nicht nutzen für eine Zukunft jenseits des digitalen Kapitalismus? Und wenn ja, wie?“, heißt es im Editorial des von Sabine Nuss und Timo Daum herausgegebenen Bandes, der darüber hinaus 16 weitere Beiträge enthält.

Wie also „könnte dann eine Alternative zum digitalen Kapitalismus aussehen? Wie eine Alternative, in der der Markt ersetzt wäre durch ein soziales Arrangement, das kybernetische Steuerungsprozesse nutzt, um möglichst ressourcenschonend und arbeitssparend zu produzieren? Wie eine Alternative, in der die Veränderung der Eigentumsformen flankiert wird durch eine gesellschaftliche Produktion und Konsumtion, die keine Waren mehr produziert? Wie eine Alternative, die die Ambivalenz der digitalen Technologien nicht als technologische, sondern als politische Herausforderung begreift?“

Fertige Antworten verspricht das Buch nicht. Es will aber eine „neue Diskussion über Plan und Markt“ anregen. Denn: „Die entscheidende Frage ist nicht, ob, sondern zu welchem Zweck geplant wird und in welcher Form dies geschieht.“ PR

Timo Daum & Sabine Nuss (Hrsg.): Die unsichtbare Hand des Plans. Koordination und Kalkül im digitalen Kapitalismus, Dietz Berlin 2021, 270 Seiten, 18 Euro.