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Corona-Krise und Psyche: Jetzt ist Prävention nötig

Foto: wgbieber / Pixabay

Im Vergleich zum ersten Lockdown haben die Menschen während des zweiten Lockdowns, der im Mai endete, im Durchschnitt etwas seltener unter Angst- und Depressionssymptomen wie etwa einem geringeren Interesse an Tätigkeiten, Nervosität, Ängstlichkeit oder Anspannung gelitten. Dies geht aus Forschungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW hervor. Zugleich habe sich gezeigt, „dass die in Deutschland lebenden Menschen nach wie vor sehr einsam waren und auch die Lebenszufriedenheit im Vergleich zum ersten Lockdown gesunken ist“. Laut den Forscher*innen werde sich erst in den kommenden Monaten zeigen, „wie sich die Krise langfristig auf die Psyche der Bevölkerung auswirkt. Sollte die ökonomische Unsicherheit nochmals steigen oder der Alltag der Menschen anhaltend durch die Krise beeinträchtigt sein – etwa durch einen weiteren Lockdown – ist anzunehmen, dass sich auch die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden nochmals verschlechtern.“

Die Untersuchung stützt sich auf Angaben aus der SOEP-Langzeitbefragung. Dabei konnten die Befragten selbst über ihre psychische Gesundheit und das Wohlbefindens berichten. Daten aus Befragungen im ersten Lockdown im Jahr 2020 aber auch mit den Jahren vor der Corona-Pandemie ermöglichen entsprechende Vergleiche.

Das DIW geht davon aus, dass der Rückgang der Angst- und Depressionssymptome möglicherweise darauf zurückzuführen sei, „dass die Menschen nach insgesamt fast einem Jahr Pandemie die Krise nicht mehr als so bedrohlich wahrnehmen wie noch zu Beginn und sich daher weniger Sorgen machen“. Daher hänge es stark davon ab, wie sich die soziale und ökonomische Situation der Menschen in der kommenden Zeit entwickelt. „Eine engmaschige Beobachtung der Situation scheint daher notwendig“, so das DIW. „Präventiv wäre es darüber hinaus schon jetzt sinnvoll, Konzepte zu erarbeiten, um sicherzustellen, dass die in Deutschland lebenden Menschen in ausreichendem Umfang und möglichst einfach Zugang zu Psychotherapien erhalten. So wäre es beispielsweise denkbar, approbierten Psychotherapeuten, die derzeit noch nicht über eine Zulassung für die gesetzlichen Krankenversicherungen verfügen, zeitweise die Möglichkeit zu geben, mit den gesetzlichen Krankenversicherungen abzurechnen.“ Dadurch könnte sich kurzfristig und flexibel das Therapieangebot erhöhen. Auch zu einem Ausbau niedrigschwelliger Hilfsangebote, etwa per Telefon, raten die Expert*innen.

„Insbesondere Frauen, jüngere Menschen und Menschen mit direktem Migrationshintergrund, die während des zweiten Lockdowns besonders stark seelisch gelitten haben, sollten dabei gezielt angesprochen werden.“ Zudem solle in „Anbetracht der anhaltend hohen Einsamkeit in der Bevölkerung“ empfohlen, das Thema noch stärker in den politischen Fokus zu rücken. Eine Möglichkeit sieht das DIW darin, Bundesebene Einsamkeitsbeauftrage einzusetzen.