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Aufbruch nach dem Ausbruch

Als die Ausstellung zum dreißigjährigen Gründungsjubiläum des Verbandes Bildender Künstler Thüringen e. V. geplant wurde, war Corona für die meisten noch eine Biermarke oder ein Begriff aus der Planetologie. Die Pandemie hat viel verändert. Auch die Schau der 56 Künstler*innen aus dem Freistaat, die gegenwärtig im Landtag zu sehen ist, würde ohne Virus sicher anders betrachtet. Was hier einerseits einen Überblick über die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksformen in der Thüringer Kunstszene gibt, wird nun andererseits im Auge der Betrachter*innen auch nach Botschaften über Corona geprüft. Auch wenn die Werke teils deutlich älter sind.

Und doch steckt in ihnen bisweilen etwas, das auch auf die aktuelle Krisenerfahrung passt. Etwa wenn die Erfurter Malerin Konstanze Trommer in ihrem „Blattschuss“ das Verhältnis Mensch und Tier verarbeitet – in der kritischen Pandemieforschung wird darauf verwiesen, wie kapitalistische Naturaneignung zu den Mitursachen neuartiger Viren gehört. Oder Wolf Bertram Beckers „Flut“ (2016), das das Saalehochwasser thematisiert – ein schier unkontrollierbares Geschehen, und da liegt der Gedanke an die Ausbreitung einer Infektion durchaus nahe. Jost Heyders Marionetten „Auf der Bühne II“ (1997) bringen zwar das Aufbruchsgefühl nach dem Mauerfall zum Ausdruck – aber von Aufbruch ist auch nun wieder die Rede: jener nach dem Ausbruch der Pandemie.

Die Organisator*innen der Ausstellungen sprechen von einer beeindruckenden Schau, die die 30-jährige Geschichte des Verbandes widerspiegelt. Auf drei Etagen des Landtags werden zahlreiche Arbeiten gezeigt, unter den Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken, Fotografien, plastischen Objekten und Installationen sind auch sehr persönliche Statements. „Sie erzählen von privaten Schicksalsschlägen, gesellschaftlichen Veränderungen, kritischer Selbstbefragung und künstlerischen Neuanfängen“, heißt es zur Schau. Und das hat wiederum viel mit der Geschichte des Künstler*innen-Verbandes zu tun, der sich nur wenige Tage nach der Wiedervereinigung am 10. Oktober 1990 in Erfurt gründete.

„Die Jubiläumsausstellung setzt klare Zeichen für die Kraft und die Bedeutung der Kunst“, so hat es die linke Landtagspräsidentin Birgit Keller formuliert. „Jede Krise prägt uns. Sie zwingt uns zum Innehalten und zum Nachdenken. Sie gibt uns Impulse für eine Neuausrichtung.“ Die Schau ist noch bis zum 16. August 2020 im Landtag zu sehen, der Zugang zu einem virtuellen Rundgang findet sich unter thueringer-landtag.de