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Auch Solidarität erlebt Corona im Betrieb: Interviews aus der Arbeitswelt

Ein politisches Merkmal der CoronaKrise ist bereits klar erkennbar: Während zur Eindämmung der Pandemie vor allem Einschränkungen des privaten und gesellschaftlichen Lebens verhängt werden, bleiben große Bereiche der Arbeitswelt von den Maßnahmen ausgespart. Von linker Seite hat das zu anhaltender Kritik geführt, die Bundesregierung knicke vor den Unternehmensinteressen ein, hieß es immer wieder. Auch bei der Durchsetzung von Homeoffice, Testpflicht oder der Kontrolle des in Corona-Zeiten umso wichtigeren Arbeitsschutzes gegenüber den Firmen machte die Politik allenfalls eine zahme Figur.

Ebenfalls weitgehend eine Terra incognita ist die Arbeitswelt bisher mit Blick darauf geblieben, wie die Pandemie in den arbeitsweltlichen Bezügen erlebt wird. Richard Detje und Dieter Sauer haben in den Krisenmonaten April bis Juli 2020 mit Betriebs-, Personalrät*innen und Gewerkschaftssekretär*innen ausführliche Interviews geführt. Es geht um Fragen wie die Beschäftigungssicherung und welche sozialen Bruchkanten diese hat, welche Reichweite der Gesundheitsschutz im Betrieb spielt und wie dauerhaft Veränderungen in der Arbeitsorganisation sind, siehe Homeoffice.

Man habe „einen bunten Strauß an Schilderungen bekommen“. Die Meinungsbildungs- und Verarbeitungsprozesse der Beschäftigten gingen

weit auseinander. „Im betrieblichen Alltag treten Klassen- und soziale Lageunterschiede hervor und damit die Tatsache, dass es sich um herrschaftsdurchtränkte soziale Räume handelt, in denen das Privateigentum an Produktionsmitteln für die Art der Krisenabwehr“ ein ausschlaggebender Faktor ist.

Dass die Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise wie Kurzarbeit, mobile Arbeit oder der Gesundheitsschutz bereits bestehende Ungleichheiten verschärfen und zu neuen Fragmentierungen führen, ist ein Ergebnis der Interviews. Auch zeige sich, dass das Tempo betrieblicher Transformationsprozesse erhöht wurde – hier scheinen in der Corona-Krise auch schon Herausforderungen wie der Strukturwandel oder eine durchgreifende ökologische Transformation auf.

Aber: „In der Ausnahmesituation werden von den Kolleg*innen auch Zusammenhalt und gemeinsame Sinnstiftung erlebt, Arbeit als solidarischer Zusammenhang erfahren. Neben der gesellschaftlichen Aufwertung erfahren sie auch eine subjektive Aufwertung ihrer Arbeit, die ihr Selbstbewusstsein stärkt“, so Detje und Sauer in ihrer vorläufigen Bewertung. PR

 

Richard Detje und Dieter Sauer: Corona-Krise im Betrieb. Empirische Erfahrungen aus Industrie und Dienstleistungen, VSA-Verlag Hamburg, 2021, 144 Seiten, 12,80 Euro.