Wir tragen Verantwortung für das Erinnern, Gedenken und Handeln.

Christian Schaft, Katja Maurer, Ralf Plötner

Gemeinsame Erklärung der Landesvorsitzenden der Die Linke Thüringen, Katja Maurer und Ralf Plötner, sowie des Vorsitzenden der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag, Christian Schaft.

Das Gedenken an die Tausenden Ermordeten im Konzentrationslager Buchenwald und die Erinnerung an die Befreiung des Lagers vor 81 Jahren verpflichtet uns, Antisemitismus, Rassismus und jeder Form von Menschenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten. Auch dafür steht der Schwur von Buchenwald. Wenn auf der diesjährigen Gedenkveranstaltung Hape Kerkeling eine Rede hält, ist es das erste Mal, dass dort keine Überlebenden, aber ihre Nachfahren und damit die nachfolgenden Generationen, sprechen, um die Erinnerung lebendig zu halten und zum politischen und gesellschaftlichen Handeln zu mahnen. Die Zahl der wichtigen Vermittler*innen und Zeitzeug*innen, die vor den Gefahren des Vergessens warnen, wird kleiner. So ist beispielsweise der Buchenwald-Überlebende Sol Lurie kurz vor dem diesjährigen Gedenken im Alter von 95 Jahren verstorben, der immer wieder auch nach Thüringen gekommen ist, um mit jungen Menschen über seine Erfahrungen zu sprechen. Die Lücke, die die Überlebenden hinterlassen, wird sich nicht einfach schließen lassen. Es wird nicht allein reichen, ihre Rolle an ihre Nachkommen weiterzureichen.

Wir alle tragen Verantwortung für das Erinnern und Gedenken und vor allem dafür, daraus die notwendigen Schlussfolgerungen für unser Handeln zu ziehen. Buchenwald ist die Mahnung, die Opfer dieser industriellen Vernichtung und Verfolgung nie zu vergessen und dafür Sorge zu tragen, dass "Nie wieder" nicht zur hohlen Phrase verkommt, gerade in einer Zeit, in der die extreme Rechte bundesweit und international versucht, das Unsagbare wieder salonfähig zu machen und Staat und Gesellschaft nach ihrem Willen umzubauen. Oder wie es Hape Kerkeling ausdrückt: „Wer heute wegschaut oder gar jenen applaudiert, die die Geschichte umschreiben wollen, macht sich mitschuldig.“

Mit dem gemeinsamen Gedenken stellen wir uns geschichtsrelativierenden Forderungen wie der nach einer 180-Grad-Wende in der Erinnerungskultur entgegen. Mit der Normalisierung extrem rechter Narrative schwindet das Bewusstsein dafür, wie fundamental die Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur für die demokratischen Strukturen ist. Eine von vielen Warnungen ist der jüngste Rechtsstaatlichkeitsbericht, der vor einem Rückgang demokratischer Standards selbst in historisch starken Demokratien warnt, darunter auch in Deutschland.

Erinnern aber heißt handeln. Der Schwur von Buchenwald mahnt uns, nicht gleichgültig zu werden und unsere Augen vor Angst und Leid nicht zu verschließen.

An der Gedenkfeier am 12.04.2026 nehmen die Landesvorsitzende Katja Maurer, der Vorsitzende der Landtagsfraktion, Christian Schaft und viele Genossinnen und Genossen der Kreisverbände der Die Linke Thüringen teil. Die Veranstaltung beginnt um 13:30 Uhr in der Gedenkstätte Buchenwald.


 

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