Verbotene Neonazi-Organisation mit Verbindungen nach Thüringen - Interview mit Katharina König, Sprecherin für Antifaschismus der Linksfraktion
Am 16. März hat der Bundesinnenminister die militante Neonazi-Organisation "Weiße Wölfe Terrorcrew" (WWTC) verboten. Die Linksfraktion hatte in den vergangenen Jahren immer wieder auf die Kontakte nach Thüringen verwiesen.
Die Verbindungen des ,Landesorganisationsleiters' der Partei ,DIE RECHTE', Michel Fischer, zur ,Weiße Wölfe Terrorcrew' waren offensichtlich. Die 'WWTC' hat sich im Jahr 2008 um die Band 'Weiße Wölfe' gebildet, deren Liedtexte auch Aufrufe zu Terror gegen Geflüchtete sind. Struktur und Zusammenhänge der 'WWTC' auf Bundesebene sind vergleichbar mit dem 'Thüringer Heimatschutz', ideologische Verbindungen und Bezugnahmen gibt es zum 'Combat 18', dem militanten Arm von 'Blood & Honour'.
Wie sind die Verbindungen zur Partei DIE RECHTE in Thüringen?
Bereits im Jahr 2012 traten führende Akteure der ‚Weiße Wölfe Terrorcrew‘ beim Rechtsrockfestival ‚Rock für Deutschland‘ in Gera in Erscheinung. In den Jahren danach war zu beobachten, dass sich in Thüringen eine Sektion der ‚WWTC‘ entwickelte. So hat beispielsweise 2013 die Partei DIE RECHTE auf ihrer Homepage darauf hingewiesen, dass eine Berliner Demonstration durch eine ,WWT-Sektion Thüringen' mit einem ,anspruchsvollen Redebeitrag' 'bereichert worden' sei. Hinter Transparenten der Gruppe WWTC liefen immer wieder auch Thüringer Neonazis. Bei der Demonstration am 1. Mai 2014 in Plauen ist von Michel Fischer (Landesorganisationsleiter DIE RECHTE Thüringen) ein entsprechender Block mit Verweis auf ‚Weiße Wölfe Terrorcrew‘ angeführt worden.
Warum hat es Dich nicht verwundert, dass jetzt neben den Durchsuchungen in mehreren Bundesländern auch eine Razzia in Erfurt stattfand?
Wir wissen, dass es WWTC-Anhänger insbesondere im Weimarer Land und Erfurt gibt. Die Durchsuchungen beim Erfurter Michael Z. galten einem der umtriebigsten Neonazis in Thüringen. In den letzten Monaten ist er bei zahlreichen Demonstrationen als 'Einheizer' am Mikrofon aufgetreten. Er hat Verbindungen zur militanten neonazistischen Partei 'DER III. Weg', aber auch zum mutmaßlichen NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben. 2009 soll u.a. er an einem Thüringer Leitfaden zur Begehung von neonazistischen Straftaten bei politischen Gegnern beteiligt gewesen sein. Darüber hinaus gibt es aber auch personelle Verbindungen die bis in Thüringer NPD-Kreise hineinreichen. So ist Michael Z. als Redner beim diesjährigen ‚Thüringentag der nationalen Jugend‘ in Sömmerda angekündigt.
Zahlreiche Informationen lagen also vor, eine weitere Bekräftigung der klar ablehnenden Haltung der LINKEN zum Einsatz von V-Leuten?
Nun, zuerst ist erneut bestätigt, dass die Informationen von Antifaschistinnen und Antifaschisten richtig und wichtig sind. Eine entsprechende Anerkennung der oftmals umfassenden antifaschistischen Informationen (wie im aktuellen Fall die im Jahr 2013 veröffentlichte Broschüre, (siehe Link) anstelle kontinuierlicher Diskreditierung ist notwendig. Statt V-Leuten benötigen wir eine breite gesellschaftliche Distanzierung von rassistischen, neonazistischen und antisemitischen Positionen und Aktionen, gepaart mit wissenschaftlicher Analyse und Forschung zur extremen Rechten sowie einem konsequenten Handeln der Zuständigen.

