Neue Dauerausstellung in der Gedenkstätte Buchenwald – die Erinnerung an NS-Verbrechen bleibt wichtige Aufgabe politischen Handelns
Heute wird in der Gedenkstätte Buchenwald die neu gestaltete und überarbeitete Dauerausstellung zur Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald wiedereröffnet. Hierzu erklärt die Fraktions- und Landesvorsitzende der LINKEN, Susanne Hennig-Wellsow:
„An einem Sonnabend vor 71 Jahren, dem 16. April 1945, kamen 1.200 Bürger der Stadt Weimar in das fünf Tage zuvor befreite KZ Buchenwald. Die amerikanischen Besatzungstruppen hatten die Einwohner der Stadt zu einer Besichtigung des Lagers gezwungen. Die Bevölkerung sollte in Buchenwald mit eigenen Augen sehen, was in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft geschah. Unter den befreiten Häftlingen, die die Weimarer bei ihrem Weg durch das Lager beobachteten und sie über die Verbrechen der SS aufklärten, war der 23jährige Magdeburger Kommunist Ottomar Rothmann. Für ihn und viele seiner Mithäftlinge war klar, was nach der Befreiung und dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit Millionen Toten die wichtigste Aufgabe war: Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit sowie die Verfolgung der Schuldigen und die Vernichtung des Nazismus. Hierfür alles zu tun und dafür einzutreten, dass die Verbrechen der Nationalsozialisten nie vergessen werden, schworen sich die befreiten Häftlinge drei Tage später, am 19. April 1945.
Heute, am 17. April 2016, sind wieder viele Menschen in der Gedenkstätte Buchenwald anwesend, unter ihnen der inzwischen 94jährige Ottomar Rothmann, welcher gemeinsam mit vier ehemaligen Buchenwald-Häftlingen die neue Dauerausstellung der Gedenkstätte eröffnen wird. Niemand von den heute Anwesenden musste zu einem Besuch der Gedenkstätte gezwungen werden, die Verantwortung und Verpflichtung der deutschen Gesellschaft für die nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen sind breit akzeptiert. Trotzdem - oder gerade weil sich wie gegenwärtig - nationalistische und rechtsradikale Einstellungen in Deutschland wieder mehren, bleibt die Aufklärung und Information darüber, wie Verbrechen mitten in einer Gesellschaft entstehen konnten und können, ein zentrales Ziel unserer politischen Arbeit. Hierfür ist der Erhalt der Orte, an denen diese Verbrechen geschahen, von herausgehobener Bedeutung. Denn gerade hier wird sichtbar, wie schnell Gesellschaften in inhumane Gefälle geraten können. Hierüber immer wieder neu zu berichten und aufzuklären, ist zentrale Aufgabe der Gedenkstätten und Erinnerungsorte an die NS-Verbrechen in Thüringen.
Die neue Dauerausstellung der Gedenkstätte zur Geschichte des KZ Buchenwald stellt sich dieser Aufgabe, in dem sie sich mit ihren Inhalten und der Form der Gestaltung vor allem an jetzt nachfolgende Generationen wendet, die in nationaler Herkunft, erinnerungskultureller Prägung und medialer Erfahrung sehr unterschiedlich sind. Sie erwarten von Erinnerungsorten wie Buchenwald verschiedene Antworten sowohl auf die Geschichte unseres Landes als auch auf aktuelle gesellschaftliche Fragen.
Ich bedanke mich bei allen in der Gedenkstätte Buchenwald, die die neue Ausstellung durch ihre Arbeit möglich gemacht haben! Mit ihrer Arbeit leisten sie einen wichtigen und unverzichtbaren Beitrag zu einer erfolgreichen und nachhaltigen Bildungs- und Geschichtsarbeit in Thüringen.
Die Thüringer LINKE wird sich auch in Zukunft nachdrücklich dafür einsetzen, dass die Erinnerung an die NS-Verbrechen nicht nur wach gehalten wird, sondern fest in die schulische und außerschulische Bildung eingebunden wird. Hierzu gehört auch die enge Zusammenarbeit mit den Gedenkstätten. Nur so werden wir gemeinsam mit unseren Koalitionspartnern aktiv gegenwärtigen und zukünftigen Tendenzen der Verharmlosung und Relativierung von NS-Verbrechen begegnen können und bleiben wach gegen neue ausländerfeindliche und rechtsradikale Strömungen.
Dies sind wir nicht zuletzt Menschen wie Ottomar Rothmann schuldig, der zu den wenigen noch lebenden Zeitzeugen gehört. Ottomar Rothmann hat sich nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager dazu entschieden, in Thüringen zu bleiben. In den siebziger Jahren ging er zurück an den Ort, wo er täglich mit dem Tod bedroht war. Er arbeitete in Buchenwald mit Schulklassen und berichtete, was nationalsozialistische Diktatur und Alltag in den Konzentrationslagern bedeutete. Auch nach den schwierigen, aber berechtigten Diskussionen nach 1990 um eine Neuausrichtung der Gedenkstätte blieb er hier, um weiter aufzuklären.
Mein Dank gilt daher an diesem Tag besonders ihm und den vielen überlebenden Häftlingen Buchenwalds in der ganzen Welt, die in den letzten Jahrzehnten die Erinnerung an die Geschehnisse des Lagers wach hielten. Nur wenige von ihnen sind heute noch unter uns. Doch ihr Schwur vom 19. April 1945 gilt bis heute und er ist auch maßgeblich an diesem 17. April 2016: Wir wollen und werden nicht vergessen und wir arbeiten an einer Welt, die frei ist von rassistischen und menschenverachtenden Losungen, Ausgrenzungen und Gewalt, die am Ende zum Tod von Menschen führt.“

