Zu häufig Fleisch, zu wenig Vollkornprodukte
Auf Einladung von #r2g über das Kita- und Schulessen diskutiert
Mehr als 12 Prozent der Thüringer Kinder sind übergewichtig. Damit liegt der Freistaat im Bundesvergleich auf Platz 3 der Negativliste, so Prof. Dr. Stefan Lorkowski, Leiter der Sektion Thüringen bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährunge.V., auf der Tagung zur gesunden Ernährung in Kindergärten und Schulen am 23. Oktober im Thüringer Landtag.
Unter dem Motto „cook mal anders“ hatten die Koalitionsfraktionen Macher und Verantwortliche zur Diskussion eingeladen und waren damit auf eine gute Resonanz gestoßen. Wie wichtig es ist, das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung zu schärfen, unterstrich Verbraucherschutzminister Dieter Lauinger gleich zu Beginn der Veranstaltung und verwies auf seinen Part der gemeinsamen Verantwortung. So soll das Thüringer Schulobstprogramm ebenso ausgeweitet werden wie das Pilotprojekt Teilsubventionierung von Schulessen. Entsprechende Regelungen sollen auch ins neue Schulgesetz Eingang finden.
Zu „Handlungsempfehlungen für eine Kita- und Schulverpflegung mit Zukunft“ sprach Katharina Berg von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung der Thüringer Verbraucherzentrale. Bei allen Problemen, zu denen u.a. zu lange Warmhaltezeiten der Speisen gehören, betonte sie die Notwendigkeit, „Kindern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft die Teilnahme am gemeinschaftlichen Essen zu ermöglichen“.
Umso länger Essen warmgehalten werde, desto weniger wert sei es hinsichtlich der Inhaltsstoffe, unterstrich Prof. Lorkowsky von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, der sich Thüringer Speisepläne genau angesehen hat: Zu häufig Fleisch, zu wenig Vollkornprodukte, eine gewisse Phobie gegenüber vegetarischen Gerichten.
Dabei liefert Kathrin Schmidt mit ihrem „Buffet:ok“ in Jena den Beweis, dass es möglich ist, Kindergärten und Schulen mit gutem Essen, hergestellt aus regional erzeugten Lebensmitteln und in Bioqualität, zu einem vernünftigen Preis zu beliefern. 1.200 Portionen täglich, das Kita-Essen 2,50 Euro, das Schulessen 2,70 bis 3,25 Euro. „Verramschen wollen wir das Essen nicht“, allerdings wünschte sie sich ein Förderprogramm für kleine, regionale Essenanbieter, „und das Beste überhaupt wäre es, wenn vor Ort gekocht würde“.
So sieht es auch Diana Skibbe, Verbraucherschutzpolitikerin der Linksfraktion. In der Abschlussrunde würdigte sie „die Macher vor Ort“, deren Erfahrungen noch stärker genutzt werden müssten, auch für die politischen Weichenstellungen. Dazu gehört nach ihrer Ansicht u.a. die Förderung von Personal, „damit neue Linien bei den Caterern aufgemacht werden können“. Die SPD-Abgeordnete Eleonore Mühlbauer griff die mehrfach angesprochene Problematik des 19-prozentigen Mehrwertsteuersatzes beim Schul- und Kita-Essen auf: „Der muss gesenkt werden, da müssen wir ran.“
Weitere Informationen der Verbraucherzentrale Thüringen unter: https://www.vzth.de/ernaehrungsempfehlungen-fuer-kinder

