Wer das persönliche Gespräch sucht, kann überzeugen

Gespräche an der Haustür? Das klingt für viele nach dem Aufschwatzen von Glasfaser-Verträgen, nach Grenzüberschreitung. Nach etwas, das man nicht tut. Einfach an fremden Türen klingeln? Unmöglich! Wer den Versuch wagt, ist jedoch überrascht von der Wirkung sowohl bei den Bewohner:innen als auch bei sich selbst. Denn wer das direkte Gespräch sucht, überzeugt die Gegenüber und lernt gleich für sich persönlich dazu. An der Wohnungstür blicken wir ungefiltert in das Leben der Menschen um uns. Wir treffen Menschen, die gerade von der Schicht kommen, Kinder betreuen oder keine Zeit zum Reden haben, weil sie eben erst aus dem Krankenhaus entlassen worden sind. Diese Geschichten können verbinden, wenn man sie teilt, wenn man zuhört. Oft wird in den Gesprächen klar:
Der Blick in die Zeitungen und sozialen Netzwerke verwirrt mehr als dass er aufklärt. Es passiert viel zu viel, selten etwas gutes. Angst um die eigene Zukunft und die der Kinder macht sich breit, die Lust auf Politik nimmt ab. Das Vertrauen in die Regierungen sinkt, weil Politik so kompliziert wirkt wie nie. Da hilft nur das direkte, ehrliche Gespräch. Als Mandatsträger:innen müssen wir zuhören, Kritik annehmen und aufklären. Kein Zeitungsartikel, kein noch so gut konzipierter Beitrag in den sozialen Medien kann auffangen, was Menschen umtreibt. Denn anders als bei diesen Formaten sind wir an der Haustür nicht nur Sender, sondern auch Empfänger von Informationen.


Vertrauen gewinnt, wer ehrlich zuhört
Wir sind erst einmal zum Zuhören da, nicht nur, um für unsere politischen Ideen zu werben. Wenn man sich die Zeit nimmt, den Weg zu jeder Wohnungstür zu gehen, jede Treppe zu nehmen und jede Klingel zu drücken. Vertrauen gewinnt man auch, wenn man bereit ist, Kritik anzunehmen oder auch manchmal zu akzeptieren, dass Türen vor der Nase zugeworfen werden. Und somit bereit ist, auf den Frust der Menschen mit Verständnis und Mitgefühl zu reagieren. Die Müllsituation im Wohnquartier beeinflusst die Zufriedenheit unserer Mitmenschen oft stärker als unsere Aktuellen Stunden im Parlament. Ein Umstand, den wir uns immer wieder bewusst machen müssen. An der Haustür lernen wir, welche Straßenlaternen repariert gehören, wo der Müll zu selten abgeholt wird, warum Menschen die Straßenbahn nicht mehr nutzen oder wo sie sich mehr Hilfe wünschen. Wir können direkt Beratungsangebote vermitteln, bei Wohngeldanträgen helfen oder einfach nur den Müll der älteren Hausbewohnerin gleich selbst hinunter bringen. Das ist DIE LINKE: die Partei, die Fraktion, die den Menschen ganz konkret im Alltag hilft. Am meisten profitieren wir alle, denn wir lernen an den konkreten Beispielen, wo wir genauer hinsehen müssen, damit wir in Zukunft eine noch bessere Partei und Fraktion sein werden. Wir lernen, wo wir bei unseren Gesetzen nachjustieren müssen, wir lernen, wo wir bei unserer Arbeit noch nachschärfen müssen. Das finde ich auch persönlich am besten: nämlich Politik nah an der Lebensrealität der Menschen zu machen. Alles, was man dafür braucht, sind ein Klemmbrett, ein Stift und gute Laune. Niemand muss als Expert:innen vor der Tür stehen, niemand muss auf alle Fragen der Bewohnerinnen und Bewohner sofort eine Antwort parat haben. Haustürgespräche sind dafür da, Nähe zu schaffen, zu lernen und sich die Offenheit zu bewahren. In einer Zeit, in der wir als Politiker:innen aus unserer eigenen politischen Blase nur selten herauskommen.
Katja Maurer, kommunalpolitische Sprecherin

 

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