Wahlrecht: „Die Hälfte der Macht den Frauen“

Veranstaltung zum 100jährigen Jubiläum des Frauenwahlrechts

1920 waren es zwei, heute sind es 37 weibliche Abgeordnete (von insgesamt 91)  im Thüringer Landtag. Mit 40,6 Prozent hat Thüringen im Bundesvergleich den höchsten Frauenanteil im Landesparlament, dies vor allem dank LINKE, SPD und Grünen. Wie es klingen würde, wenn für jede eine Cajon, eine Kistentrommel, gespielt wird, das machte die Hocker-Aktion zu Beginn der Veranstaltung „100 Jahre Frauenwahlrecht“ im Foyer vor dem Plenarsaal deutlich.

Eingeladen am 12. November hatten die Koalitionsfraktionen zusammen mit dem Landesfrauenrat und Mehr Demokratie Thüringen. „Die Hälfte der Macht den Frauen“, so das Motto auf dem Tischschmuck im Tagungsraum, der schier aus den Nähten platzte, so groß war das Interesse der Frauen und auch einiger Männer.

Die Journalistin und Bloggerin Antje Schrupp lud mit ihren zehn Thesen zum Frauenwahlrecht zum lebhaften Diskutieren ein. Zum Beispiel hält sie die Quote auf Dauer für kein geeignetes Instrument, um die politische Partizipation von Frauen sicherzustellen. Es müsse vielmehr die Frage gestellt werden, warum Parteienpolitik und Parlamentarismus für Männer viel attraktiver sind als für Frauen.

Dem hielten Thüringer Frauenpolitikerinnen die Notwendigkeit eines Gesetzes zur geschlechterparitätischen Besetzung der BewerberInnenliste bei Wahlen entgegen. „Es ist das einzige, was wirkt, sonst bleiben Männerbünde unter sich“, so die GRÜNE Landtagsabgeordnete Astrid Rothe-Beinlich. Und Anja Müller von der Linksfraktion hofft nicht nur auf mehr Frauennetzwerke, sondern vor allem darauf, dass noch in dieser Legislaturperiode ein Paritätsgesetz für Thüringen auf den Weg gebracht werden kann.

Einladend und ermunternd moderierte Ralf-Uwe Beck, der Landesvorsitzende von Mehr Demokratie Thüringen e.V., die folgenden Diskussionsrunden, deren TeilnehmerInnen nach einem Losverfahren ausgewählt worden waren. Dabei gab es eine ganze Reihe interessanter Überlegungen zum Thema, von denen hier einige festgehalten werden sollen:
Frauenrechte sind keine Naturgesetze. Sie sind politische Übereinkünfte, die auch wieder weggenommen werden könnten.

Für Frauenrechte zu kämpfen, das heißt, klare Position und klare Sprache. Sprache schafft auch Wirklichkeit. Wir sollten uns für das geschlechtergerechte Sprechen die Zeit nehmen.
Uns Frauen mangelt es an Solidarität, nicht an Selbstbewusstsein.
Wir sollten die Männer mit ins Boot nehmen. Frauen in der Politik sollten mehr Mut haben für Themenbereiche, in denen sie bisher unterrepräsentiert sind, zum Beispiel in der Finanzpolitik.

Leider fallen Frauen oft, sobald sie Mütter werden, in alte Rollenbilder zurück.
Viele Frauen ändern sich automatisch, wenn sie in die Politik gehen. Allerdings ist es schwer, sich nicht zu ändern, wenn man sich durchsetzen will.

 
Zahlreiche Informationen und Hintergründe unter: www.100-jahre-frauenwahlrecht.de