Veranstaltung zum Empfehlungspapier Hochschulentwicklungsplanung 2030+

Gemeinsam mit Studierenden, Vertreter:innen aus dem Mittelbau, Professor:innen und Gewerkschaften haben wir Anfang November in der Veranstaltung Thüringer Hochschulentwicklungsplanung auf dem Prüfstand“ das aktuelle Empfehlungspapier der Arbeitsgemeinschaft zur Hochschulentwicklungsplanung 2030+ unter die Lupe genommen. Die Arbeitsgemeinschaft Hochschulentwicklungsplanung 2030+ (bestehend aus Vertreter:innen des Wissenschaftsministeriums, den Hochschulpräsident:innen und einer kleinen Anzahl studentischer Vertreter) hatte ihr Papier im August 2023 auf der 5. Thüringer Landeswissenschaftskonferenz vorgestellt. Handlungsfelder wie Wissensgenerierung und -transfer, Hochschulen und ihre Rolle in der Gesellschaft, Moderne Hochschullehre oder Hochschulorganisation sollen mit Leitlinien untermauert und künftig an den Thüringer Hochschulen umgesetzt werden. Christian Schaft, hochschulpolitischer Sprecher der Fraktion, betont: „Die Diskussionen in der Landeswissenschaftskonferenz haben gezeigt, dass von allen Statusgruppen an den Hochschulen der Wunsch besteht, an der Diskussion über Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Hochschullandschaft beteiligt zu werden. Gewerkschaftsvertreter:innen, Lehrende und Promovierende aus dem Mittelbau sowie Studierende wollen mitreden und müssen das auch können, wenn es beispielsweise um Themen wie Mitbestimmung, Studienbedingungen, Gute Arbeit oder Hochschulfinanzierung geht. Mit der Aktionskonferenz haben wir einen Beitrag zur Partizipation geleistet und werden die Ergebnisse in die weiteren Beratungen einbringen“.

Nach Impulsvorträgen von Gewerkschafter:innen, Studierenden und Lehrenden wurde in Kleingruppen zu verschiedenen Themen diskutiert. In der Gruppe Demokratie und Hochschule“ forderten die Studierenden, ehrliche Lehrevaluationen auf den Weg zu bringen, die alle Beteiligten weiterbringen. Ziel sollte es sein, die Qualität der Lehre zu verbessern. Kritisch wurde angemerkt, dass Lehrevaluationen für Professor:innen eine andere Bedeutung hätten als für Beschäftigte, die befristet in der Lehre angestellt seien und ganz andere Konsequenzen befürchten müssten. Diskutiert wurde auch das Engagement von Studierenden innerhalb und außerhalb der Hochschule und dessen Berücksichtigung durch Credits, also Leistungspunkte im Studium. Auch solche Leistungen müssten aus Sicht der Studierenden anerkannt und im Studienalltag berücksichtigt werden. Während im Workshop „Gute Arbeit“ neue Personalstrukturen und Personalkategorien diskutiert wurden, die eine gerechte Verteilung der anfallenden Arbeit ermöglichen, fand im Workshop „Studium und Lehre“ ein Austausch über die Öffnung von Lehrformen und Lernräumen statt. Neben didaktischen Aktualisierungen sollen die Veränderungsprozesse eng mit digitaler Lehre u.a. durch E-Teach verzahnt werden. Eng verbunden mit der Verbesserung der Lehre ist die Forderung, die Arbeitsbedingungen von studentischen Beschäftigten, Lehrkräften für besondere Aufgaben und auch Lehrbeauftragten in die Leitlinien zur Hochschulentwicklung einzubeziehen.

Kritisiert wurde auch die starke Fokussierung der Empfehlungen auf die Einwerbung von Drittmitteln. Weniger Lehrbelastung bei sicheren Beschäftigungsverhältnissen war der Wunsch für gute Arbeit und Lehre an Hochschulen.
Das Thema „Wissenstransfer“ im vierten Workshop war geprägt von verschiedenen Dimensionen und der Umsetzung von Kriterien. Sogenannte Transformationsthemen, die in den Hochschulen bearbeitet werden, sollten gestärkt und auch in die Gesellschaft rückgekoppelt werden, so ein Vorschlag aus der Diskussionsrunde. Auch zum Thema „Finanzierung und Hochschulbau“ fand ein reger Austausch über Vorstellungen von Planungssicherheit und Drittmitteln statt. Erste Überlegungen machen deutlich, wie eine erste Ausgestaltung der Rahmenvereinbarung VI zwischen der Thüringer Landesregierung und den Hochschulen aussehen könnte. Alle Diskussionsgruppen eint die Forderung nach Transparenz und mehr Mitbestimmung. Viele Studierende stören sich daran, dass wichtige Entscheidungen, die alle betreffen, vorher nicht ausreichend diskutiert wurden, wie z.B. die Energieeinsparung durch Bibliotheksschließungen in der Vergangenheit oder aktuell die Wiederbesetzungssperre an der FSU Jena. Auch aus ihren Erfahrungen durch Gremientätigkeiten und durch fehlende Informationspolitik resultieren diese Forderungen.

Christian Schaft zeigte sich dankbar für die anregenden Debatten: „Die Impulse, besonders von den Beschäftigten und Studierenden waren vielfältig und wurden mit konkreten Beispielen praxisnah vertieft. Ich freue mich, dass sich so viele engagierte Menschen eingebracht haben, denn sie sind die Expert:innen an den Thüringer Hochschulen und gestalten vor Ort Forschung und Lehre. Gemeinsam mit ihnen arbeiten wir an der Umsetzung der Ideen und Vorschläge auf verschiedenen Ebenen.“
An dieser Stelle nochmal einen herzlichen Dank an alle, die sich eingebracht und mit diskutiert haben. Besonders möchten wir uns bei den Referent:innen Renate Sternatz als stellv. Vorsitzenden des DGB Hessen-Thüringen, Katrin Glaser aus dem Team Referatsleitung Hochschule und Forschung der GEW Thüringen, Jonathan Schäfer von der Konferenz Thüringer Studierendenschaften (KTS) und Dr. Ulrike Kuch, Vizepräsidentin für gesellschaftliche Transformation an der Bauhaus Universität Weimar, bedanken, die die Impulsvorträge vorbereitet und gehalten sowie die Moderation der Workshops übernommen haben.

 

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