„Rassendiagnose: Zigeuner“

Ausstellung im Landtag zum Völkermord an den Sinti und Roma

„‚Rassendiagnose: Zigeuner‘: Der Völkermord an den Sinti und Roma und der lange Kampf um Anerkennung“, so der Titel einer Ausstellung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, die im Thüringer Landtag in der Zeit vom 16. Januar bis 23. Februar zu sehen ist.

Inhaltlicher Schwerpunkt der Ausstellung ist der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma: von der Ausgrenzung und Entrechtung der Minderheit im Deutschen Reich bis zu ihrer systematischen Vernichtung im besetzten Europa. Der menschenverachtenden Perspektive der Täter werden Zeugnisse der Opfer gegenübergestellt. Historische Familienfotos von Sinti und Roma geben Einblicke in ihre Lebenswirklichkeit und lassen sie als Individuen hervortreten.

Die Ausstellung macht die zerstörten Lebenswege hinter den abstrakten Dokumenten der bürokratisch organisierten Vernichtung sichtbar. Behandelt wird auch die Geschichte der überlebenden Sinti und Roma im Nachkriegsdeutschland, die von Politik und Gesellschaft erst sehr spät als NS-Opfer anerkannt wurden. Die ideologischen und personellen Kontinuitäten aus der Zeit des Nationalsozialismus wurden erst durch die Bürgerrechtsbewegung der deutschen Sinti und Roma in mühsamen politischen Auseinandersetzungen schrittweise überwunden, wenngleich die Nachwirkungen bis heute spürbar sind. Am Ende steht ein Ausblick auf die Menschenrechtssituation der Sinti- und Roma-Minderheiten in Europa nach 1989.

Ein grundlegendes Prinzip der Ausstellungskonzeption besteht darin, dem Terror der Nationalsozialisten und ihres Verfolgungsapparats Normalität und Alltag der Sinti und Roma in den einzelnen europäischen Staaten, in denen sie seit Jahrhunderten beheimatet waren, gegenüberzustellen. Der Besucher soll in die Lage versetzt werden, das überlieferte Quellenmaterial kritisch zu hinterfragen und die Zerrbilder vom „Zigeuner“ zu dekonstruieren. Er soll zugleich ein Bewusstsein entwickeln für die tiefe Verwurzelung antiziganistischer Denkmuster in der europäischen Kulturgeschichte.

Die Gestaltung der Ausstellung setzt auf eine zeitgemäße Präsentation und vermeidet jede Inszenierung von Betroffenheit oder moralisierende Elemente: Im Vordergrund stehen Aufklärung und ein sachlicher Duktus. Die Besucher*innen haben die Möglichkeit, mit ihren Smartphones Videos zu einzelnen Themen abzurufen, unter anderem Berichte von Überlebenden des Völkermords.

Die Ausstellung kann besichtigt werden Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr (außer an Plenartagen), am Wochenende nach telef. Vereinbarung mit Silvia Erlekampf unter 0361 37 72005, E-Mail: silvia.erlekampf@thueringer-landtag.de