Nr. 9/2017, Seite 7: Landwirtschaftstour durch das Altenburger Land
In der Woche vor Ostern hatte die LINKE Landtagsabgeordnete Ute Lukasch, Mitglied im Landwirtschaftsausschuss, eine Besuchertour durch verschiedene Landwirtschaftsbetriebe im Altenburger Land unternommen. Begleitet wurde sie in einigen Betrieben durch die Landrätin Michaele Sojka (LINKE) und den Vorsitzenden des Bauernverbandes Berndt Apel.
Erste Station war die Schweinemast-Anlage in Greipzig, die von der Gutsverwaltung Altenburg GbR betrieben wird. Wolfgang Schleicher empfing uns im Mastbetrieb. Die Stallanlage ist technisch auf hohem Niveau, mit automatischer Lüftungs- und Fütterungskontrolle. In der modernen „Futterküche“ wird das Mastfutter entsprechend des Alters der Tiere angemischt und gelangt zu ihnen über eine Vielzahl an Rohrleitungen.
Die Aufgabe der alters- und entwicklungsbedingten Fütterung besteht im Wesentlichen darin, eine bedarfsgerechte Zufuhr an Energie, Nähr- und Zusatzstoffen vorzunehmen und ist somit nährstoffökonomisch und ökologisch sinnvoll. Zusätzlich entlastet die Phasenfütterung der Mastschweine die Umwelt, unterstützt die Tiergesundheit und optimiert die Stallluft für Mensch und Tier. Herr Schleicher betonte, dass mehr Platz pro Tier für ihn kein Problem darstellt – er dazu sofort bereit wäre. Allerdings wird derzeit preislich „an der Schmerzgrenze“ produziert. Die Kilo-Preise, die ein Mastbetrieb für sein Schweinefleisch bekommt, bewegen sich am unteren Limit.
Zweite Station war die Agrargenossenschaft Jückelberg e.G. Empfangen wurden wir u.a. vom Geschäftsführer Volkmar Sievers und Christian Els vom Agrarunternehmen am Leinawald e.G. Auch Jückelberg hatte und hat mit der „Milchkrise“ zu kämpfen, das Agrarunternehmen am Leinawald (über 20 Mitarbeiter) gab die Milchproduktion sogar ganz auf. Jückelberg beschäftigt über 30 Mitarbeiter und betreibt Milchproduktion, Schweine- und Rindermast sowie Feldbau. Es gibt auch eine Biogasanlage, die die Wärmeversorgung der eigenen Betriebsstätte übernimmt. Erfreut sahen wir beim Rundgang, dass die Milchkühe sich auf Stroh frei bewegen können. Ein schöner Anblick. Aber natürlich hat auch dieser Landwirtschaftsbetrieb mit den sehr niedrigen Erzeugerpreisen zu kämpfen. Es ist unverständlich, wieso unsere qualitativ hochwertigen Lebensmittel so billig gehandelt werden.
Die Tour am nächsten Tag führte uns zur Agrargenossenschaft Thonhausen e.G. und dem Geschäftsführer Uwe Rößler. Hier liegen die Schwerpunkte bei der Rinder- und Ferkelaufzucht, Milchproduktion, Energiewirtschaft aus Biomasse, Wind- und Solarenergie. Die Agrargenossenschaft vermarktet auch eigene Produkte, betreibt eine hauseigene Fleischerei, einen Liefer- und sogar einen Partyservice.
Das Hauptproblem für seinen Betrieb sieht Herr Rößler im Wegfall der Milchquote und dem dadurch gefallenen Milchpreis. Problematisch sieht er auch den Wegfall der Abnahmepreisgarantie für Energie aus Biogasanlagen. Wegen der überarbeiteten Förderrichtlinien vom Bund werden wohl kaum neue Biogasanlagen gebaut werden. Nachmittags dann ging es zum Rittergut Schwanditz. Jürgen Junghannß, der Geschäftsinhaber, informierte über die Entstehung des Betriebes, die Geschichte des Gutes, die aufwendige Sanierung, über die landwirtschaftliche Produktion, den Betrieb des Hofladens und der Ferienwohnungen, aber auch über die Hoffnungen und Visionen. Das Rittergut hat sich der Schülerbildung verschrieben u.a. mit einem „grünen Klassenzimmer“. Dafür befindet sich auch ein kleines „Schullandheim“ im Aufbau.
Das gemeinsame Fazit der Vertreter der landwirtschaftlichen Betriebe war mit einem Wunsch verbunden: Mehr Beständigkeit der Politik in Bezug auf Richtlinien, Vorgaben und gesetzliche Vorschriften für die Landwirtschaft. Die Lebensmittelproduktion muss stabil über einen größeren Zeitraum – hier wurden im Durchschnitt 15 Jahre genannt – planbar sein. Man sollte nicht vergessen, welche enorme Entwicklung die Lebensmittelproduktion in der Landwirtschaft in den letzten zwei Jahrzehnten genommen hat.
Jana Lorber, Mitarbeiterin im Abgeordnetenbüro Ute Lukasch
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