Nr. 9/2017, Seite 6: Wo nichts gezeigt wird, wird nichts gefördert
Der LINKE-Bildungspolitiker Torsten Wolf zu Gast in der Grundschule Pößneck
Hilf mir, es selbst zu tun“, diese Leitthese von Maria Montessori ist weltbekannt. In der Grundschule Pößneck wird sie seit zehn Jahren in einem eigenen Lernhaus gelebt. Dieses Jubiläum wurde mit einer Festwoche begangen, an deren Eröffnung Torsten Wolf, der in der Landtagsfraktion bildungspolitischer Sprecher ist, teilgenommen hatte.
In einem Gespräch mit der Schulleiterin Silke Neupert erfuhr der Landtagsabgeordnete, dass der Weg hin zum Aufbau von fünf Montessori-Lerngruppen nicht einfach war.
Ihn faszinierte der persönliche Einsatz der Pädagoginnen und Pädagogen sowie der Schulleiterin, welcher der Grundstein für den Erfolg des Konzeptes ist. Die Montessori-Pädagogik ist kein Allheilmittel, aber sie ist ein Weg, mit Heterogenität umzugehen. „Lernen nach individuellem Tempo, weniger Leistungsdruck und ein hohes Maß an Selbstständigkeit bei den Schülerinnen und Schülern, genau das sollte Schule ausmachen. Kein Kind ist wie das andere. Maria Montessori entwickelte bereits 1907 ein Konzept, welches sich genau dem stellt. Die Pößnecker Grundschule setzt dies engagiert und mit viel Liebe zum Detail um“, so der Bildungspolitiker. Besonders beeindruckte ihn die positive Grundeinstellung der Pädagoginnen und Pädagogen zum Kind.
In einer „gläsernen Unterrichtsstunde“ konnten die Gäste erleben, wie das Lernen in einer „Monte-Klasse“ abläuft. Jahrgangsmischung, der Lehrer als Helfer und Begleiter, Freiarbeit, freie Wahl der Materialien und handlungsorientiertes Lernen sind dabei selbstverständlich. In einer sich anschließenden Diskussion wurde der Fokus auf das „Selbst“ und auf das „Tun“ gelegt.
„Viele Aspekte der Montessori-Pädagogik muten reformpädagogisch an, sind aber schon über 100 Jahre alt. Das zeigt, wie starr unser Bildungsdenken manchmal ist“, sagte Torsten Wolf. Eltern und eine ehemalige Schülerin des Pößnecker Montessori-Lernhauses sprachen den schwierigen Übergang von Klasse 4 zu Klasse 5 an. Die Gemeinschaftsschule sei genau dafür gut, solch schwierigen Schnittstellen in den Bildungsbiographien unserer Schülerinnen und Schüler zu vermeiden. Diese Chance müsse auch im ländlichen Raum besser genutzt werden, bemerkte dazu der Abgeordnete. Zugleich bot er an, sich auch weiterhin als Gesprächspartner bei kleinen und großen Sorgen der Pößnecker Grundschule zur Verfügung zu stellen.
Doreen Amberg
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