Nr. 7/2016, Seite 5: Unterstützung für Initiative: Arbeitszeitverkürzung jetzt
Lebens- und Arbeitsbedingungen mit entscheidendem Einfluss auf Lebenserwartung
Mit Blick auf die jüngsten Diskussionen zur Lebenserwartung der Bundesbürger sowie auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion DIE LINKE zum Zusammenhang von sozialem Status und Lebenserwartung sagte die arbeitspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Thüringer Landtag, Ina Leukefeld: „Eine neue Erkenntnis ist das nicht. Lebens- und Arbeitsbedingungen haben entscheidenden Einfluss auf Gesundheit und Lebenserwartung.“
„Geringes Einkommen, schwere und gesundheitsgefährdende Arbeit, ständige Erreichbarkeit, Arbeit ohne Ende und Pausen, psychische Belastungen und schlechte Arbeitsatmosphäre im Unternehmen haben weitreichende Auswirkungen. Dabei ist in Suhl und Eisenach die Lebenserwartung im Vergleich zu westlichen Städten und Regionen besonders gering“, so die Abgeordnete weiter. Politik stehe in der Verantwortung, „Armut trotz Arbeit zu verhindern, prekäre Beschäftigung abzubauen, Arbeits- und Gesundheitsschutz gut miteinander zu verbinden, auf die bessere Vereinbarkeit von Arbeitsbedingungen und familiären Verpflichtungen hinzuwirken und generell die Arbeitszeit zu verringern. Das sind wichtige Voraussetzungen für gute Arbeit und gutes Leben.“
Ina Leukefeld unterstützt grundsätzlich die Initiative „Arbeitszeitverkürzung jetzt!“. Im Kern geht es dabei um die schrittweise Einführung einer 30-Stunden-Woche bei gleichbleibendem Lohn für untere und mittlere Einkommen. Nach Berechnungen der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik sei die kurze Vollzeit von 30 Stunden ohne Arbeitsverdichtung tatsächlich möglich und auch finanzierbar. „Es ist an der Zeit, diese Überlegungen durch Stärkung der Gewerkschaften, selbstbewusste Arbeitnehmer und eine höhere Tarifbindung in die öffentliche Debatte zu bringen“, betonte die Arbeitspolitikerin.
Je niedriger der soziale Status, desto höher das Krankheitsrisiko
Zur Antwort der Bundesregierung auf die schriftliche Frage der stellvertretenden Vorsitzenden und arbeitsmarktpolitischen Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, Sabine Zimmermann, zum Zusammenhang von sozialem Status und Lebenserwartung vom 11. März 2016:
Kernaussagen: Laut aktueller Gesundheitsberichterstattung des Bundes beträgt die Differenz in der Lebenserwartung zwischen der niedrigsten und der höchsten von fünf Einkommensgruppen bei Frauen 8,4 Jahre und bei Männern 10,8 Jahre. Die Lebenserwartung besonders von Männern liegt in struktur- und einkommensschwachen Regionen wie weiten Teilen der neuen Bundesländer und Teilen des Ruhrgebiets, des Saarlandes und Frankens statistisch signifikant unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Die Unterschiede in der Lebenserwartung sind auf unterschiedliche Risikofaktoren wie Bildung und Gesundheitsverhalten sowie Arbeits- und Lebensbedingungen zurückzuführen.
Bei vielen Krankheiten und Beschwerden, die aus den genannten Risikofaktoren resultieren, bestehen ebenfalls soziale Unterschiede mit einem höheren Anteil der unteren Statusgruppen. Die Fragestellerin wie die antwortende Bundesregierung bezogen sich auf die aktuelle Gesundheitsberichterstattung des Bundes („Gesundheit in Deutschland“), die vom Robert-Koch-Institut in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt erstellt wird.
Darin heißt es weitergehend: „Für eine Vielzahl chronischer Krankheiten gilt: Je niedriger der soziale Status, desto höher ist das Erkrankungsrisiko. Zu diesen Krankheiten zählen Herzinfarkt und Schlaganfall, bestimmte Krebsarten wie Lungen- und Magenkrebs, Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus sowie degenerative Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems. (…) Das höhere Krankheitsrisiko und die häufigeren Gesundheitsprobleme spiegeln sich letztlich in einer erhöhten vorzeitigen Sterblichkeit sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen.“
Weitere themenrelevante Informationen enthält außerdem die Ausgabe 02/2016 des Bundesgesundheitsblattes, die den Titel „Soziale Ungleichheit und Gesundheit“ trägt.
www.arbeitszeitverkuerzung-jetzt.de
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