Nr. 6/2016, Seite 1: Die meisten Minijobs werden von Frauen verrichtet
Am Rande der März-Sitzung des Landtags hatten Vertreterinnen und Vertreter der rot-rot-grünen Koalition zusammen mit Gewerkschafterinnen und dem Landesfrauenrat mit einer Aktion auf die nach wie vor ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern aufmerksam gemacht.
Gefordert wurde, die durchschnittliche Entgeltlücke von fast 22 Prozent in Deutschland endlich zu schließen. Vor dem Equal Pay Day am 19. März, dem Tag der gleichen Bezahlung von Männern und Frauen, erklärte die gleichstellungs- und sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Karola Stange:
„‘Berufe mit Zukunft‘, wie das Motto des diesjährigen Equal Pay Days lautet, sind vor allem auch die sogenannten Care-Berufe, also Berufe in der Erziehung und Pflege. Es ist nicht hinnehmbar und zeugt von deren geringer gesellschaftlicher Wertschätzung, dass gerade Frauen, die diese Arbeit im Wesentlichen tragen, eklatant weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.“ Die LINKE-Politikerin forderte erneut ein Entgeltgleichheitsgesetz auf Bundesebene, „das schon lange vorliegen sollte“.
Ina Leukefeld, arbeitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, hatte auf die umgerechnet 79 Tage, die Frauen länger arbeiten müssen als Männer, um letztlich auf den gleichen Lohn zu kommen, aufmerksam gemacht. „Man kann es auch anders ausdrücken: Dann steht der Equal Pay Day für den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1.1. für ihre Arbeit bezahlt werden“, so die Abgeordnete weiter. Analysen zeigten, dass die bis etwa 2010 andauernde gravierende Ausbreitung der Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern sowie zwischen Ost und West scheinbar gestoppt werden konnte. Dennoch sei keine Entwarnung angesagt. „Die Gründe für die Lohndifferenz sind vielfältig“, sagte Ina Leukefeld. „So ist der Anteil von Frauen im Teilzeitbereich in den letzten sechs Jahren in Thüringen um über 40 Prozent gestiegen und fünfmal höher als bei den Männern.
Auch bei der Bezahlung für formal gleiche Qualifikation und Tätigkeit schneiden Frauen deutlich schlechter ab. Sie sind überdurchschnittlich oft bei den ‚Niedriglöhnern‘ im Dienstleistungsbereich zu finden“, so die Abgeordnete.
„Trotz Einführung des Mindestlohnes von 8,50 Euro partizipieren Teilzeitbeschäftigte nur wenig, weil das Einkommen insgesamt nicht existenzsichernd ist. Dabei werden 77 Prozent aller Minijobs von Frauen verrichtet“, machte die LINKE-Politikerin deutlich.
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