Nr. 5/2018, Seite 3: 100 Jahre Bauhaus

Parlamentsreport

100 Jahre Bauhaus
1919 wurde in Weimar das Staatliche Bauhaus gegründet


Was redet ihr hier von einem Heimwerkermarkt?«, fragte mich der verdutzte Mithörer eines Gesprächs mit einer Freundin, der ich von den Thüringer Aktivitäten rund um das Bauhaus-Jubiläum erzählte. Bauhaus, nur ein Heimwerkermarkt? Nun könnte man die Frage durchaus philosophisch zu beantworten versuchen, den unwissenden Mithörer entweder ignorieren oder ihm seine Unkenntnis vorwerfen - oder aber, ganz im Sinne der vielschichtigen Angebote zu 100 Jahren Bauhaus im Jahr 2019, ihn nach Thüringen einladen.

Schließlich wird bei einer Google-Suche nach »Bauhaus« tatsächlich zuallererst die Heimwerkermarkt-Kette angezeigt und erst nach einigem Suchen kommt man zu einer Erklärung zu Walter Gropius und seiner 1919 in Weimar gegründeten Kunstschule, die sich - trotz nur 14 Jahre andauernder Existenz - zum Kultur-Exportschlager des 20. Jahrhunderts entwickelt hat und bis heute nichts an Strahlkraft verloren hat. Wie auch, wenn ganze Städte wie zum Beispiel Chicago ihre Silhouette dem Bauhaus verdanken.

von KATJA MITTELDORF

Ich entschied mich also für letzteres. Gerade weil der Mithörer offenbar die perfekte Zielgruppe für eine Einladung zur Wiege des Bauhauses ist. Dabei kann und muss Weimar Ausgangspunkt sein, der aber für überall in Thüringen Anknüpfungspunkte bietet.

Dass im Freistaat 2019 der Neubau eines Museums zu Ehren des Bauhauses eröffnet wird und wir damit in die Lage versetzt werden, den Schatz dieser sozialen und kulturellen Bewegung zu präsentieren, ist allenfalls ein Höhepunkt von vielen.

Die Frage nach der Bedeutung des Bauhauses für unsere heutige Zeit bettet sich schon jetzt in das Themenjahr »Industriekultur und soziale Bewegungen« ein. Überhaupt bietet das Bauhaus die Möglichkeit, sich heutige Fragen dazu aus verschiedenen Perspektiven zu stellen - gerade wenn wir in einer Gesellschaft leben, in der die Frage »Wie wollen wir leben?« wieder existentiell wird. Die gesellschaftlichen Umbrüche, die damals dazu führten, dass die Nationalsozialisten das Bauhaus erfolgreich bekämpfen konnten, sind heute nicht meilenweit weg - ganz im Gegenteil. Umso mehr schmerzt der Sieg des Heimwerkermarktes im Internet gegenüber der wirklich lesenswerten, allumfassenden Internetseite »www.bau-haus100.de« zu 100 Jahren Bauhaus. Aber wer weiß: Vielleicht lädt dieses Gründungsjubiläum ja auch zu einer digitalen Bewegung ein. Der unwissende Mithörer von neulich hat jedenfalls schon mal auf die richtige Bauhaus-Seite geguckt.

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