Nr. 4/2016, Seite 7: Mehr Arbeitslose auf offene Stellen vermitteln

Parlamentsreport

Auf Anregung des Runden Tisches der sozialen Verantwortung hatte kürzlich die Linksfraktion im Thüringer Landtag zu einem Fachgespräch zum Thema „Arbeitsvermittlung zwischen Bedarf, Anspruch und Wirklichkeit“ eingeladen.  Die Arbeitspolitikerin Ina Leukefeld konnte neben Vertretern des Runden Tisches Verantwortliche aus dem Thüringer Arbeitsministerium, von Jobcentern, der IHK, von Bildungs- und Maßnahmeträgern, der Gewerkschaften, des Thüringer Arbeitslosenparlamentes, insbesondere auch von TALISA und dem Thüringer Arbeitslosenverband sowie der Parität begrüßen.

Bei der in dieser Form noch nicht dagewesenen Verständigung zwischen allen Beteiligten ging es vor allem um folgende Fragen: warum gestaltet sich bei 18.000 freien Stellen in Thüringen die Vermittlung von Arbeitslosen, deren Zahl noch immer bei etwa 80.000 liegt, so schwierig; was kann dagegen getan werden; welche Erfahrungen gibt es; wie gelingt es, auch die 30.000 Langzeitarbeitslosen an der wirtschaftlich guten Entwicklung in Thüringen teilhaben zu lassen?

Wie Ina Leukefeld in einem Fazit zur Veranstaltung unterstrich, sei die regionale Spreizung, was das Verhältnis von Arbeitslosen und offenen Stellen in den Unternehmen betrifft, sehr groß. Für sie ergebe sich daraus die Schlussfolgerung, dass die Arbeitsmarktpolitik noch stärker mit der Strukturpolitik verbunden werden muss. Eine Notwendigkeit, die sich auch aus der nach wie vor bestehenden Spaltung auf dem Arbeitsmarkt ergibt: Etwa die Hälfte aller arbeitslos gewordenen Menschen werden innerhalb der ersten sechs Monate vermittelt, zugleich sind knapp die Hälfte der Arbeitslosen in Thüringen schon länger als zwei Jahre ohne Beschäftigung. Dabei klagt die Wirtschaft über Fachkräftemangel, übersieht aber allzu häufig die Arbeitslosen und ihre Qualifikationen und Erfahrungen. So stehen etwa 100 offenen Stellen bei den Fertigungsberufen 123 entsprechend qualifizierte Arbeitslose gegenüber. Kritik richtete sich auch an die Bundesebene, die z.B. das Programm „Perspektive 50plus“ für die Vermittlung von über 50jährigen Arbeitslosen ersatzlos gestrichen hat. Sicherlich sei bei allem die Qualifizierung der Menschen eine der grundlegenden Fragen, so Ina Leukefeld. Aber deutlich sei auch geworden, dass zunächst die Arbeitsvermittlung im Vordergrund stehen muss. Unter den konkreten Anforderungen vor Ort und bei betrieblicher Qualifizierung seien die Erfolgschancen wesentlich größer. Hingewiesen worden sei auch auf die Notwendigkeit eines betrieblichen Gesundheitsmanagements, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und dabei mit Blick auf Alleinerziehende die Absicherung von Kinderbetreuung in den Randzeiten.
Langzeitarbeitslose brauchen zudem sozialintegrative Leistungen. Für sie könnte z.B. über die in allen Kreisen vorhandenen Integrationszentren eine assistierte Arbeitsvermittlung hilfreich sein. Die Abgeordnete der Linksfraktion verwies mit Blick auf den hohen Anteil älterer Langzeitarbeitsloser auf die Anstrengungen der rot-rot-grünen Landesregierung – und hier vor allen des Arbeitsministeriums unter Leitung von Ministerin Heike Werner (LINKE) –, Arbeitsplätze und Qualifizierungsmaßnahmen über entsprechende Landesprogramme und Projekte zu fördern. 30 Millionen Euro stellt das Land dafür in diesem und im nächsten Jahr zur Verfügung.

 

Inge Hannemann beim Arbeitslosenparlament

Die 38. Tagung des Thüringer Arbeitslosenparlaments findet am Donnerstag, den 10. März, 9.30 bis 13 Uhr,  erstmals im Plenarsaal des Thüringer Landtags statt. Gastrednerin ist Inge Hannemann, die legendär gewordene Streiterin für die Abschaffung der Hartz-IV-Sanktionen. Sie war als Mitarbeiterin des Jobcenters Altona suspendiert worden und sitzt seit 2015 mit einem Mandat der Partei DIE LINKE in der Hamburger Bürgerschaft. Thema ihrer Rede im Thüringer Landtag: „Aufrecht bestehen – Ansprüche verteidigen – Sanktionen abschaffen – Arbeitsplätze schaffen“. Am Nachmittag wird sie auch an der Donnerstags-Demo auf dem Erfurter Anger teilnehmen.  

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