Nr. 25/2011: „Es ist die Aufgabe der Nachkommen, die Geschichte lebendig zu halten“

Parlamentsreport

Linksfraktion hatte zur Veranstaltung „Die Zeugen der Zeugen“ eingeladen/Ehrung für Ottomar Rothmann

Mit Blick auf seinen 90. Geburtstag begrüßte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der LINKEN, Martina Renner, zur Veranstaltung „Die Zeugen der Zeugen - ein Generationenprojekt“ sehr herzlich Ottomar Rothmann sowie weitere Zeitzeugen am 29. November im Haus Dacheröden in Erfurt. Sie würdigte den Mut der Widerstandskämpfer gegen den deutschen Faschismus nicht zuletzt vor dem Hintergrund der „Auseinandersetzungen, die wir heute im Kampf gegen den Neonazismus, gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit zu bestehen haben“.

Später betonte der Fraktionsvorsitzende Bodo Ramelow, „wir konnten nicht ahnen, welche Aktualität dieser Empfang haben wird“ angesichts der jetzt bekannt gewordenen Bluttaten der Nazi-Terrorzelle. Allerdings müssten die Frage nach der Verantwortung gestellt und die Dinge beim Namen genannt werden. Dazu gehört, dass in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland 182 Morde mit rechtsextremistischem und rassistischem Hintergrund verübt wurden.  Der Landespolitiker hob in seiner Laudatio hervor, „den Schwur von Buchenwald zu leben, ist für uns alle eine klare Aufgabenstellung“. Die LINKE im Landtag werde sich erneut für die Aufnahme einer antifaschistischen Klausel in der Landesverfassung einsetzen.

Ein Generationenprojekt


Mit großem Interesse aufgenommen wurden die Ausführungen der Historikerin und Gedenkstättenpädagogin Ulrike Jensen, seit 25 Jahren in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme tätig. „Generationen. KZ-Überlebende und die, die nach ihnen kommen“, so lautet der Titel des neuen Projekts, das sie zusammen mit Mark Mühlhaus im Rahmen einer Ausstellung, eines Bildbandes und eines Web-Blogs (www.projekt-generationen.org) gestaltet hat.
Sie dokumentieren sehr eindrucksvoll Begegnungen mit Zeitzeugen, die „auf unwiederbringliche Weise über ihre persönlichen Erfahrungen“ berichteten. Die Ausstellung, die im November im Hamburger Gängeviertel zu sehen war, wandert in den nächsten Monaten und Jahren durch weitere Städte und Gedenkstätten bundesweit.

Frau Jensen verwies darauf, dass viele der Zeitzeugen „erst jetzt, im hohen Alter, an die Orte ihres Leidens zurückkehren, um sich endgültig von ihnen zu verabschieden, um ihre Leiden zu teilen mit ihren Angehörigen“. Mehr und mehr rücken die zweiten und dritten Generationen in den Vordergrund. „Nach mittlerweile 66 Jahren Leben nach dem Überleben wird es mehr und mehr Aufgabe der Nachkommen, die Geschichte lebendig zu halten“, sagte die Historikerin und unterstrich, dass die „deutsche Gedenkkultur nicht durch Politiker gemacht wird, sondern durch die Überlebenden und ihre Mistreiter“. Dies wurde auch deutlich an den Ausführungen von Elke Pudszuhn,  Vorsitzende des Thüringer Verbandes der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten, dessen aktuelle Erklärung sie mitgebracht hatte. „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel - dieser Schwur eint uns, unabhängig davon, ob unsere Väter im KZ Buchenwald inhaftiert, Buchenwalder unsere Lehrer, unsere Arbeitskollegen oder Freunde waren oder wir auf andere Weise den Schwur verinnerlicht haben“, so Elke Pudszuhn, die  die Forderung nach einem NPD-Verbot hervorhob.

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