Nr. 25 - 26/2013, Seite 10: Thüringen entdecken
Der „Tourismus im ländlichen Raum“ war Schwerpunkt der Konferenz in Bad Blankenburg
Zur Konferenz „Tourismus im ländlichen Raum“ hatte am 5. Dezember nach Bad Blankenburg ins Rathaus die Linksfraktion des Landtages eingeladen. Gekommen waren Landrätinnen und Landräte, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie Tourismusverantwortliche aus ganz Thüringen.
Knut Korschewsky formulierte das Anliegen der schon zweiten Tourismuskonferenz der Fraktion wie folgt: „Gerade die ländlichen Räume Thüringens haben noch große Perspektiven für die Entwicklung des Tourismus. Wir haben die Möglichkeit, noch mehr Menschen dafür zu gewinnen, hier Urlaub zu machen, um Thüringen zu erleben in den unterschiedlichsten Facetten: vom Wandern über den Wassertourismus gerade in der Region mit dem Thüringer Meer, aber gleichzeitig auch mit den Sehenswürdigkeiten, die wir hier haben.“
Der tourismuspolitische Sprecher der Linksfraktion weiter: „Es muss uns gelingen, jenseits der Städtekette, die auch sehr wichtig für Thüringen ist, mit den Städten Weimar-Erfurt-Eisenach, sowohl im Norden mit dem Harz, als auch dem Unstruttal und auch im Süden mit der Region um das Schwarzatal sowie dem Thüringer Meer ganz enge Vernetzungen herzustellen, um gemeinsam Tourismus zu entwickeln, um dann auch Möglichkeiten zu haben, damit auszustrahlen in die Welt.“
Der Tourismus in Deutschland entwickelte sich in den vergangenen Jahren stetig und schafft hierzulande mittlerweile rund drei Millionen Arbeitsplätze, wovon vorwiegend die so genannten Monopolregionen profitieren. In den ländlichen Regionen ist demgegenüber eine geringe Dynamik in der Tourismusentwicklung zu verzeichnen. Ländliche Regionen stellen rund ein Drittel der deutschen Übernachtungskapazitäten, erzielen aber nur zwölf Prozent der touristischen Wertschöpfung. Um Thüringen für alle Urlaubswilligen anziehend zu machen, müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen, wie zum Beispiel die Erreichbarkeit der Feriendomizile mit dem öffentlichen Personennahverkehr oder auch behindertengerechte Zugänge zu Sehenswürdigkeiten und Kulturstätten Thüringens. Diese Voraussetzungen sind vor allem im ländlichen Raum nicht gewährleistet, wurde übereinstimmend gesagt. Aber es blieb nicht bei der Feststellung, wo „die Säge klemmt“.
„Thüringenticket“ würde das Reisen erleichtern
Viele Diskussionsteilnehmer wün-schten sich eine stärkere Werbung unter der Überschrift „Thüringen mit Bus und Bahn entdecken“. Allein die Angebote der Harzer Schmalspurbahn, der Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn und die Nostalgiefahrten mit den Dampfloks sind eine Reise nach Thüringen wert. Zu überlegen wäre auch die Reaktivierung weiterer Schienenstrecken im Freistaat, z.B. der Höllentalbahn. Es gibt auch noch weitere Thüringer Bahnstrecken, wie die Rennsteigbahn, die mit einem regelmäßigen Angebot im Wochenendverkehr das touristische Potential der Ilmkreisregion erweitern könnten. Hier muss die Landesregierung eine wesentlich stärkere Unterstützung leisten. Das betrifft auch die Hilfe bei der Sanierung von Bahnhöfen und die Verzahnung von Bus und Bahn. Noch attraktiver würde das Angebot, mit dem öffentlichen Nahverkehr Thüringer Landschaften und Sehenswürdigkeiten zu entdecken, wenn mit einem einheitlichen Verkehrsverbund und Partnern aus Wirtschaft und Gastronomie ein „Thüringenticket“ die Reisemöglichkeiten erleichtern würde. Gute Vorarbeit und Erfahrungen gibt es z.B. in Friedrichroda oder im Harz. Dort erhält der Gast über die Kurtaxe und die Hotels ein kostenloses Ticket für den öffentlichen Nahverkehr der Region. Das Fahrziel Natur und die umweltfreundliche, sichere und bequeme Erschließung Thüringens ist für alle ein lohnendes Ziel – für die Touristen, aber auch für die Gastgeber.
Die Akteure der Konferenz waren sich darüber einig, dass es nur mit einer engen Verzahnung aller touristischen Akteure gelingen wird, die bestehenden Potentiale noch besser auszunutzen und die regionale Wertschöpfung weiter zu erhöhen. Dabei stehen die regionalen Wirtschaftskreisläufe im Mittelpunkt der Überlegungen. „Tourismus in Thüringen ist kein Stiefkind“, so Knut Korschewsky abschließend. In Thüringen ist die touristische Wertschöpfung höher als im Automobilbau.
Das muss endlich allen Akteuren, auch in der Landesregierung, bewusst werden. Tourismus hört eben nicht an der Städtekette der A4 auf. Wenn es der Hainich von Januar bis September 2013 schaffte, die Zahl der Ankünfte um 6,3 Prozent zu steigern, dann muss das einer Region wie dem Saaleland mit einem Rückgang der Ankünfte um 8,1 Prozent sehr zu denken geben - und das nicht nur den Akteuren vor Ort, sondern vor allem auch den landesweit Verantwortlichen.
Dolores Hof
Dateien
- PR25-s10
PDF-Datei (62 KB)
