Nr. 25/2014, Seite 15: Fritz Bauer. Der Staatsanwalt - Ausstellung im Landtag zeigt „NS-Verbrechen vor Gericht“

Parlamentsreport

Eine ganz besondere Ausstellung, die schon im Vorfeld auf großes Interesse stieß mit zahlreichen Besuchergruppenanmeldungen, war am 9. Dezember im Thüringer Landtag feierlich eröffnet worden. „Fritz Bauer. Der Staatsanwalt. NS-Verbrechen vor Gericht“ – eine Ausstellung des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt, in Kooperation mit dem Thüringer Justizministerium.

Das Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main ist eine interdisziplinär ausgerichtete, unabhängige Forschungs-, Dokumentations- und Bildungseinrichtung zur Geschichte der nationalsozialistischen Massenverbrechen – insbesondere des Holocaust – und deren Wirkung bis in die Gegenwart.

Fritz Bauer (1903 bis 1968) hat als hessischer Generalstaatsanwalt, der den Frankfurter Auschwitzprozess auf den Weg brachte, bundesrepublikanische Geschichte geschrieben. Er hat als einer der wenigen unbelasteteten Juristen und gegen enorme Widerstände einen nicht hoch genug zu schätzenden Beitrag zur Aufklärung der NS-Verbrechen in der Bundesrepublik Deutschland geleistet und war zugleich bedeutender Aufbauhelfer der demokratischen Rechtspflege.

Die Ausstellung dokumentiert anhand von 16 Themenstationen die Lebensgeschichte von Fritz Bauer, dem jüdischen Sozialdemokraten, den die Nazis für 13 Jahre ins Exil getrieben hatten, im Spiegel der historischen Ereignisse. Besonders interessant auch jene Station unter der Überschrift „Kalter Krieg“.

 

Ein selten beleuchtetes Kapitel des Kalten Kriegs

In einem Flyer zur Ausstellung heißt es dazu: „Immer wieder hatte die Generalstaatsanwaltschaft der DDR sowohl der Bundesregierung als auch den Generalstaatsanwälten der Bundesländer die Einsicht und den Austausch von Beweisdokumenten ehemaliger Nazis angeboten. Fritz Bauer gehörte zu den wenigen Generalstaatsanwälten, die das Angebot annahmen. Zweifelsohne verfolgte die DDR dabei eigene politische Zielvorgaben. Bauer war jedoch klar, dass die meist stichhaltigen Beweisdokumente auch den Druck auf eine juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen in der Bundesrepublik erhöhen würden. Die Ausstellung erkundet dieses selten beleuchtete Kapitel des Kalten Kriegs.“

Ein Kapitel ganz eigener Art war jedoch die Rede von Landtagspräsident Christian Carius (CDU) zur Ausstellungseröffnung. Offensichtlich hat  er nicht nur Probleme, sich in der neuen politischen Landschaft des Freistaats zurechtzufinden. Diesen Eindruck hinterließen jedenfalls einige seiner teilweise launigen, an dieser Stelle allerdings wenig passenden Begrüßungsworte mit pseudoaktuellen Unrechtsstaats-Vergleichen. Und dass er es versäumte, unter den Ehrengästen ausgerechnet den noch dazu in seinem Blickfeld sitzenden Prof. Dr. Reinhard Schramm zu erwähnen, ist mehr als nur peinlich, gehört doch noch dazu die Jüdische Landesgemeinde, deren Vorsitzender Reinhard Schramm ist, neben der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, der Sparkassen-Kulturstiftung und der Sparkasse Mittelthüringen, zu den Unterstützern der Ausstellungs-Präsentation in Erfurt.         

Die Ausstellung im Landtag, Jürgen-Fuchs-Straße 1, wird bis 1. Februar gezeigt und ist Montag bis Freitag (außer an Plenartagen) von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Am Wochenende nach Vereinbarung (Telefon: 0361 37700).   

 

Annette Rudolph

            

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