Nr. 25/2012, Seite 16: Präsentation im Netz

Parlamentsreport

Analyse: Nur 38 Prozent der Thüringer Kommunen haben eine eigene Homepage

Inhaltlicher Schwerpunkt der Fraktionssitzung am 5. Dezember war der Vortrag „Analyse der Präsentation der Thüringer Gemeinden im Internet“ von Ralf-Dieter May, Geschäftsführer des Eobanus Verlags Erfurt UG. Er hatte im Auftrag der Linksfraktion eine Studie dazu  angefertigt.

Untersucht wurden dazu die Internetauftritte von 901 kreisangehörigen Gemeinden und Städten in Thüringen sowie die der Landkreise und Verwaltungsgemeinschaften. Nicht einbezogen waren die sechs kreisfreien Kommunen. Schon eine globale Betrachtung sorgte für einen Aha-Effekt: nur etwa 38 Prozent der Kommunen in Thüringen verfügen überhaupt über einen eigenen Internetauftritt. Bei nicht wenigen Gemeinden existieren anstatt einer offiziellen Webseite nur die Homepages von Vereinen oder private Internetseiten, die aber den Gemeindenamen nutzen.
In einer detaillierten quantitativen Analyse wurden große regionale Unterschiede deutlich: im Saale-Holzland-Kreis sind es nur rund 17 Prozent der Gemeinden, die einen eigenen Internetauftritt haben, im Landkreis Sonneberg dagegen über 71 Prozent. Wenig erstaunlich war der Befund, dass kleine Gemeinden deutlich seltener eine eigene Homepage haben (bei Kommunen mit über 10.000 Einwohnern waren diese durchgängig vorhanden). Generell sei „die Transparenz der politischen und verwaltungstechnischen Entscheidungen vor Ort bei den Städten stärker ausgeprägt als bei den Gemeinden“, so der Referent.

Für eine qualitative Analyse hatte May wichtige Kriterien definiert, über die der Internetauftritt einer Gemeinde verfügen sollte: technische Seiten mit Impressum, Kontaktmöglichkeiten, Navigation (Sitemap) und Menüs, den Bereich „Rathaus“ mit Informationen über den Bürgermeister, Gemeinderat, Ausschüsse, Sitzungskalender, Sprechzeiten, Bürgerbeteiligung, Ortsrecht und Haushalt, den Bereich „Wahlen, Statistik und Presse“ sowie weitere Inhaltselemente. Dazu zählen laut Ralf-Dieter May vor allem Schule und Bildung, bürgerschaftliches Engagement (Vereine), Wohnen und Immobilien, Rat und Hilfe (u.a. Ärzte), Mobilität (ÖPNV), Tourismus, Kultur und Freizeit, Wirtschaft, Planen und Bauen sowie Umwelt und Natur. Im Ranking kamen weniger als 17 Prozent der Städte auf eine als „sehr gut“ eingeschätzte Internetpräsentation (diesen Wert konnte keine der kleinen Gemeinden erreichen). Gotha rangierte auf Platz 1. Die Linksfraktion wird die Studie veröffentlichen und berät die Ergebnisse in den Fachressorts, um parlamentarische Initiativen vorzubereiten. Unbefriedigend sei das Ergebnis, dass Angebote zu Interaktivität und Bürgerbeteiligung nur auf wenigen Gemeinde-Homepages existieren, bilanzierte der Fraktionsvorsitzende, Bodo Ramelow. Vortrag und anschließende Diskussion waren direkt per Livestream öffentlich zugänglich und stehen auch als Mitschnitt zur Verfügung.

Stefan Wogawa         

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