Nr. 23/2013, Seite 6: Nicht viel Neues im Hochschulpapier - „Damit ist beim besten Willen kein Konzept für die Hochschulentwicklung zu erkennen“
Mit dem am 18. November vorgestellten Papier zur strategischen Entwicklung der Thüringer Hochschulen unter dem Titel Stärkung der Hochschulautonomie „überlässt es Herr Minister Matschie den Hochschulen selbst, die angekündigten 300 Stellen zum Streichen zu finden bzw. in eine Drittmittelfinanzierung zu überführen“, kommentierte die Sprecherin für Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiepolitik der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, Dr. Karin Kaschuba, die Pressekonferenz zur Hochschulstrategie Thüringen 2020.
„Damit ist auch beim besten Willen kein stringentes Konzept für eine Thüringer Hochschulentwicklung zu erkennen“, so die Abgeordnete weiter. In den entsprechenden Debatten im zuständigen Landtagsausschuss sei der Minister von seinem Staatssekretär vertreten worden.
„Das ist außerordentlich bedauerlich“, sagte Susanne Hennig-Wellsow, bildungspolitische Sprecherin und zuständig für Studierendenfragen in der Landtagsfraktion. „Hätte sich der Herr Minister an den Debatten beteiligt, so wären eventuell sogar Anregungen von den Ausschussmitgliedern in das Papier eingeflossen.“ So jedoch können beide Abgeordneten der Linksfraktion nur festhalten, „dass das Konzept im Kern nichts Neues enthält, außer Stellenkürzungen und einigen wenigen Eckpunkten für die Lehrerbildung“.
Die Thüringer Universitäten und Fachhochschulen sollen sich künftig auf wissenschaftliche Schwerpunkte konzentrieren, hatte Wissenschaftsminister Christoph Matschie gesagt. Dabei sollen Profile geschärft und Kooperationen ausgebaut werden. Die Universitäten sollen sich nach den Plänen auf drei bis fünf Profilschwerpunkte und die Fachhochschulen auf zwei bis drei konzentrieren.
52.800 Studierende an den Thüringer Hochschulen
An der Friedrich-Schiller-Universität Jena sollen die Angebote in der Photonik, den Lebens- sowie den Geistes- und Sozialwissenschaften ausgebaut werden. Die Universität Erfurt soll sich auf Bildung und Religion konzentrieren und die Fachhochschule Schmalkalden auf Ingenieurwissenschaften, Informatik, Wirtschaft und Wirtschaftsrecht. Finanziert werden soll der Umbau mit dem Geld – 120 Millionen Euro - aus dem zwischen Bund und Ländern vereinbarten Hochschulpakt. Dabei hatte Minister Matschie auf der Pressekonferenz eingeräumt, dass damit nicht alle Kostensteigerungen aufgefangen werden könnten. Er hatte in diesem Zusammenhang erneut darauf verwiesen, dass bis 2020 etwa 300 Stellen weniger aus Landesmitteln finanziert werden könnten. Das Konzept für die Neuausrichtung soll dem Landtag bis Ende Dezember vorgelegt werden. In Thüringen gibt es vier Universitäten, vier Fachhochschulen und eine Hochschule für Musik. Derzeit sind rund 52 800 Studierende an den Hochschulen im Freistaat eingeschrieben. Die Zahl der Studienanfänger hat sich zwischen 9800 und 10 000 pro Jahr eingepegelt. Rund 60 Prozent der Studienanfänger kommen aus anderen Bundesländern oder dem Ausland.
Als einen weiteren Mangel des vom Minister vorgelegten Papiers bezeichnete Karin Kaschuba die fehlenden Angebote, wie sich die Thüringer Forschungslandschaft profilieren und vernetzen kann. „Um in Thüringen eine Spitzenforschung schaffen zu können, bedarf es weiter gefasster Rahmen als es uns dieses Konzept weis machen will“, so die LINKE Wissenschaftspolitikerin.
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