Nr. 2/2018, Seite 6: Buchenwald: Holocaust-Gedenktag

Parlamentsreport

Gedenken zum 27. Januar im Thüringer Landtag und der Gedenkstätte Buchenwald

Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus fanden in diesem Jahr in Thüringen Gedenkveranstaltungen unter anderem im Landtag und in der Gedenkstätte Buchenwald statt.

Zur Gedenkstunde und einer Gesprächsrunde in das Parlament waren am Vormittag des 26. Januars rund 200 Personen aus dem In- und Ausland gekommen, unter anderem die Opfer des Faschismus und ehemaligen Häftlinge Naftali Fürst, Günter Pappenheim, Kurt Pappenheim, Raymond Renaud und Heinrich Rotmensch. In seiner Rede betonte Landtagspräsident Christian Carius (CDU) die Unmenschlichkeit und Einmaligkeit der NS-Verbrechen: „Ich bleibe dabei: Nichts ist vorstellbar, was fürchterlicher sein könnte. Auch die Zahl der Opfer ist und bleibt bis heute für uns eine unfassbare Größe.“ Er hob zudem die Notwendigkeit und Bedeutung hervor, die Erinnerungen der Überlebenden des deutschen Faschismus und ihrer Angehörigen zu hören. Er wandte sich an die Anwesenden und sagte: „Mit Ihnen und den Angehörigen der Überlebenden, wird über 70 Jahre nach dem Holocaust aus erlebter Geschichte tradierte Erinnerung, die so auch uns im Gedächtnis bleibt.“

Auch Ministerpräsident Bodo Ramelow (DIE LINKE) sprach in der Gedenkstunde am Vortag des Holocaust-Gedenktages im Parlament. Er forderte - auch und gerade mit Blick auf den gesellschaftlichen Rechtsruck und das Erstarken der AfD: „Wir gedenken der Opfer des Nationalsozialismus. Es ist unsere Verpflichtung und unsere Verantwortung, aktiv an diese Zeit zu erinnern und die tiefen Verstrickungen sichtbar zu machen. Eine Relativierung oder Schlussstrichmentalität dürfen wir nicht zulassen. Wir sprechen vom schlimmsten Zivilisationsbruch der Geschichte. Nur so wird Versöhnung möglich sein. Nur so können wir die Mechanismen der Unmenschlichkeit erkennen.“

Mittags fand dann in der Gedenkstätte Buchenwald eine Kranzniederlegung zur stillen Erinnerung statt. Nur der Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Volkhard Knigge, hielt hier eine kurze Ansprache. Er verteidigte die Erinnerungskultur gegen Kritik von rechts. Buchenwald sei auch ein „Ort des Stolzes“, Geschichte gegen den Strich zu bürsten: „Das haben wir zu verteidigen, und vielleicht im Moment mehr als wir vor zehn Jahren gedacht haben.“ Er betonte, die Gedenkstätte sei kein „dämliches Denkmal“ oder ein „Ort der Schande“, wie neuerdings Politiker der AfD behaupten.

Die Landes- und Fraktionsvorsitzende der Thüringer LINKEN, Susanne Hennig-Wellsow, sagte zu dem Gedenktag: „Der 27. Januar erinnert nicht nur an die Befreiung des Vernichtungslagers KZ Auschwitz-Birkenau 1945 durch die Rote Armee. Dieser Tag steht auch für die Erinnerung daran, wie schnell Nationalstolz sowie antisemitische und rassistische Stereotype in massenhaft begeisterte Zustimmung umschlagen konnten, die in der Konsequenz die millionenfache Ermordung von Menschen bedeutete. Jene Einstellungen, die damals erst zur Diskriminierung, dann zur Vernichtung von Menschen führten, sind weiterhin breit in der Gesellschaft vorhanden. Gerade auch vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Rechtsrucks bleibt es unsere Aufgabe, weiter zu reflektieren, wie es damals so weit kommen konnte und wie wir heute wirksam Hass und Ausgrenzung begegnen können.“ Sie forderte abschließend: „Wir müssen auf Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit mit mehr Bildung und Aufklärung reagieren. Dort, wo uns menschenverachtende Einstellungen begegnen, dürfen wir als Gesellschaft nicht still schweigen, sondern müssen aktiv die Stimme zur Gegenwehr erheben.“

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