Nr. 2/2017, Seite 6: Einsatz in der Schule
Eindrücke vom Praktikum der Fraktionsvorsitzenden in einer Weimarer Regelschule
In einer Regelschule in Weimar absolvierte Susanne Hennig-Wellsow, die Vorsitzende der Linksfraktion, am 19. Januar ein weiteres Praktikum, nachdem sie zuvor bereits zu erfolgreichen Praktika-Einsätzen in einer Kindertagesstätte und in einem Fleischverarbeitungsbetrieb war.
Am frühen Morgen wurde Susanne von der Lehrerin Doreen Amberg in der Regelschule begrüßt. Nach einem Gespräch über die Aufgaben und Pflichten von Lehrerinnen und Lehrern, das Leitbild und das pädagogische Konzept der Schule ging es schon in einen der zahlreichen Klassenräume. Die erste Unterrichtsstunde begann um 08:00 Uhr. Im Ethikunterricht der Klasse 9a wurde das Thema „Tod, Trauer, Sterben“ behandelt.
Nach einer kurzen Frühstückspause im Klassenraum ging es weiter mit der zweiten Unterrichtsstunde. Im Fach Deutsch lernten die Schülerinnen und Schüler die wesentlichen Grundregeln anhand der Fragestellung „Schuluniform ja oder nein“ für das Verfassen einer Erörterung kennen. Die etwas längere Pause wurde für einen Rundgang im Schulgebäude genutzt.
In der folgenden Ethikstunde der Klasse 9c diskutierten Schüler, Lehrerin und die Praktikantin über Werte und Normen in unserer Gesellschaft. Dabei ging es besonders um die rassistische und menschenfeindliche Politik der AfD und um die am Tag zuvor gehaltene Rede ihres Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke in Dresden. Ein Auszug der Rede wurde ohne die Nennung des Autors an die Wand projiziert. Die Schüler sollten raten, von wem die Rede gehalten wurde. Einige brachten die Rede mit Bismarck, andere mit Adolf Hitler in Verbindung. Das Entsetzen war groß, als der wahre Urheber bekannt wurde. Einig war sich die Klasse darin, dass Normen und Werte einer Gesellschaft, wie Mitmenschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Fürsorge, nicht an nationale oder religiöse Identität gebunden werden darf. Anschließend wurde die Flüchtlingspolitik diskutiert. Dabei machte Susanne auf die Verantwortung unserer Gesellschaft für weltweites Leid und Flucht aufmerksam, besonders unter dem Gesichtspunkt der steigenden Rüstungsexporte. „Menschen in Not muss geholfen werden!“, so die Fraktionsvorsitzende.
Um 11.45 Uhr ging es in das nächste Klassenzimmer. Die Klasse 10 der Realschule befasste sich mit dem Thema „Tod, Trauer, Sterben. Die Schüler erhielten von der Lehrerin die Aufgabe, in kleinen Arbeitsgruppen die wesentlichen Aussagen von Philosophen, wie Seneca, Epikur, Sokrates und Thomas Nagel zum Thema „Tod“ anhand von kurzen Textpassagen auszuarbeiten und zusammenzufassen. Die Fraktionsvorsitzende war vom Text des Philosophen Epikur angetan. In einem Brief an einen seiner Schüler vertritt dieser die Position, dass bis zum Todesaugenblick gilt, dass uns der Tod nichts angehe. Als Höhepunkt des Tages durfte Susanne die Unterrichtseinheit Sozialkunde der Klasse 9a zum Thema „Merkmale der Demokratie“ gestalten. Sie führte in die Grundkategorien einer demokratischen Gesellschaft ein. Von besonderer Bedeutung seien dabei die Gewaltenteilung und die Partizipationsrechte der Bürgerinnen und Bürger. In der darauffolgenden offenen Diskussionsrunde berichtete sie über ihre Tätigkeit als Vorsitzende Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag. Sehr interessiert lauschten die Schüler, als Susanne ihren Tagesablauf als Fraktions- und Parteivorsitzende schilderte.
Die letzte Stunde an diesem Tag widmete die Praktikantin der Klasse 5a. Die Schüler sollten in Freiarbeit einen Text aus einem Lehrbuch zu Substantiv und Fällen in das eigene Schulheft übertragen. Susanne half den zehn- bis zwölfjährigen Kindern dabei, denen die Erschöpfung durch den anstrengenden Schultag deutlich anzumerken war. Entsprechend hoch auch der Geräuschpegel.
„Das Praktikum erhöht meinen Respekt vor Lehrerinnen und Lehrern“, resümiert Susanne Hennig-Wellsow. „Es ist eine enorme Leistung und ein hohes Verantwortungsbewusstsein, das den Pädagoginnen und Pädagogen tagtäglich abverlangt wird. Die Herausforderungen sind immens: Inklusion, Kinder mit Handicap, Kinder, die Deutsch erst lernen etc. Und ich war sehr positiv überrascht, wie groß die Lernbereitschaft bei den Schülerinnen und Schülern war“.
Arif Rützgar
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