Nr. 22/2016, Seite 8: Nitratbelastung im Wasser endlich senken
Novellierung der Düngeverordnung und flächendeckende Abwasserreinigung
Es müsse endlich eine zielführende Strategie zur Verbesserung der Wasserqualität her, forderte Dr. Johanna Scheringer-Wright, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag. „Dazu gehören zuallererst eine strikte Düngeverordnung für die Landwirtschaft, aber auch eine flächendeckende Abwasserreinigung in allen Landesteilen und eine Reduzierung des Kraftfahrzeugverkehrs.“
Die Probleme mit Nitrat im Grundwasser sind in Deutschland seit Jahrzehnten bekannt. Die Gesundheitsschäden durch Nitrat sind vielfältig, der unmittelbarste ist die Umwandlung im Körper zu Nitrit, was die Sauerstoffaufnahme massiv behindert. Insbesondere für Säuglinge ist das lebensgefährlich. Seit 1991 gibt es daher in der europäischen Union einen Nitrat-Grenzwert für Trinkwasser von 50 mg pro Liter Wasser, der unbedingt einzuhalten ist, und Richtwerte, die als Vorsorgewerte anzustreben sind. Jedoch wird selbst der Grenzwert im Grundwasser in Deutschland vielerorts überschritten - gerade in Mittel- und Norddeutschland.
In Thüringen sind insbesondere die Landkreise Eichsfeld, Nordhausen, der nordwestliche Teil des Kyffhäuserkreises, der Saale-Holzland-Kreis und Altenburg betroffen. Hier wurden in 20 bis 40 Prozent der durch den Verein VSR-Gewässerschutz überprüften Privatbrunnen mehr als 50 mg Nitrat pro Liter Wasser gemessen.
2012 hatte die Europäische Kommission Deutschland aufgefordert, endlich eine zielführende Nitratstrategie auf den Weg zu bringen, um die Grenzwertüberschreitungen im Grundwasser und in den Oberflächengewässern zu reduzieren. Sonst drohten Vertragsverletzungsverfahren und Klage.
Seitdem dümpelt auf Bundesebene die Novelle der deutschen Düngeverordnung vor sich hin, beschlossen wurde bislang noch nichts. „Jetzt ist die Klage beim Europäischen Gerichtshof angenommen und die Bundesregierung guckt dumm aus der Wäsche“, so die Landtagsabgeordnete. „Das Falscheste, was die Bundesregierung jetzt aber machen kann, ist, darauf zu hoffen, mit einer Verzögerung des Verfahrens und der Aushandlung von bezahlbaren Strafen das Problem lösen zu wollen“, warnt die Agrarpolitikerin.
Die Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung und der Wasserschutz müssen Priorität haben. Zwei Drittel der Nitratbelastung werden durch die Landwirtschaft verursacht. In manchen ländlichen Regionen der Republik spielt auch eine noch ungenügende Abwasserreinigung bei den Kommunen eine Rolle und auch der Kraftfahrzeugverkehr trägt mit mindestens fünf Prozent zum Problem bei.
Die Bundesregierung müsse also endlich die Novellierung der Düngeverordnung abschließen und auch auf Landesebene müssten Maßnahmen umgesetzt werden, um die Nitratbelastung des Wassers zu senken, so die Abgeordnete.
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