Nr. 22/2012, Seite 10: Einfach unappetitlich - Diana Skibbe, Sprecherin für Verbraucherschutz, zu den Vorgängen um und bei SODEXO
Diana Skibbe, Sprecherin für Verbraucherschutz, zu den Vorgängen um und bei SODEXO
Die Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen den Caterer SODEXO hat Diana Skibbe, Sprecherin für Verbraucherschutz der Thüringer Linksfraktion, kritisiert. Sie nannte es „schon merkwürdig, dass gerade die Staatsanwaltschaft Darmstadt die Ermittlungen gegen die Verursacher der größten Krankheitswelle mit Brechdurchfall in der Geschichte der Bundesrepublik einstellt“. Schließlich sei der Stammsitz des deutschen Ablegers SODEXO im benachbarten Rüsselsheim zu finden.
Unverständlich sei, dass mit einer kurzen Entschuldigung und einem Büchergutschein von 50 Euro wieder zur Tagesordnung übergegangen werde. „Nach der Infektion von mehr als 11.000 Kindern sowie Lehrerinnen und Lehrern, davon allein über 1.000 in Thüringen, sowie vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der SODEXO-Großküche in Döbeln wird es offenbar keine Ermittlungen oder andere Konsequenzen geben. Hat man Angst, sich mit einem Global Player dieser Branche anzulegen? Warum gibt es keine Stellungnahme des Bundesverbraucherschutzministeriums? Von der zuständigen Thüringer Ministerin kein Wort?“, fragt die Thüringer Landtagsabgeordnete der LINKEN.
SODEXO als börsennotierte Holding mit einem Jahresumsatz von 16 Milliarden Euro ist in 80 Ländern aktiv. In der neoliberalen Privatisierungswut der letzten 15 Jahre expandierte diese Firma weltweit. Sie beliefert über 50 Millionen Menschen in Kindertagesstätten, Schulen, Krankenhäusern, Kasernen, Behörden und Gefängnissen mit Essen. An Gefängnissen ist SODEXO-USA auch selbst beteiligt, sogar in der BRD. Die SODEXO-Tochter SODAB war an der Planung der privaten Haftanstalt im hessischen Schlüchtern beteiligt.
SODEXO ist auch Erfinder des Gutscheinsystems
„Richtig heftig wird es aber“, so Diana Skibbe weiter, „wenn man sich die Beteiligung bei der deutschen Sozialgesetzgebung anschaut. SODEXO ist der Erfinder des Wertgutscheinsystems für Asylbewerber und der Chipkarten für die Bildungsgutscheine für Kinder aus Hartz-IV-Familien und verdient dabei so richtig mit“.
Die Abgeordnete verweist darauf, dass das Land Berlin in Mitverantwortung der PDS schon im Jahr 2003 die Gutscheine für 2.700 Asylbewerber in ihrer Hoheit abgeschafft hatte. Damit sparte Berlin in einem Jahr 60.000 Euro an Provisionen an SODEXO. Die LINKE-Politikerin begrüßt, dass jetzt auch in Thüringen die Landkreise in ihrer Verantwortung zunehmend dieses diskriminierende Gutscheinsystem abschaffen.
„Die 50 Euro-Büchergutscheine sind nur beim Schulbuchverlag ,Cornelsen' einzulösen. Die Betriebskantine dieses Berliner Verlages betreibt, wen wundert es: SODEXO. Als LINKE sind wir uns des Skandals bewusst und werden auf allen politischen Wegen unseren Einfluss einbringen, regionale Erzeuger für eine gesunde Ernährung zu favorisieren, statt dass für renditehungrige Börsenspekulanten die Gesundheit der Menschen geopfert wird“, so Diana Skibbe.
Am 24. Oktober hatte die Staatsanwaltschaft Darmstadt angekündigt, dass sie kein Ermittlungsverfahren gegen Sodexo einleitet. „Es ist kein Verschulden der Firmen-Zentrale ersichtlich“, sagte Oberstaatsanwalt Klaus Reinhardt und verwies auf die Ursache für die Erkrankungen, die mit Noroviren verseuchten tiefgefrorenen Erdbeeren aus China.
Dateien
- PR22 s10
PDF-Datei (54 KB)
