Nr. 21/2017, Seite 6: Wahlergebnisse wurden spannend „entschlüsselt“

Parlamentsreport

Dass Wahlanalysen aussagekräftiger sein können für die parlamentarische Arbeit als gemeinhin gedacht, zeigte die Veranstaltung der LINKE-Fraktion im Landtag zu „Wahlen und Abstimmungen als Seismographen gesellschaftlicher Entwicklungen“.

Gerade auch nach den Bundestagswahlen war diese Diskussion am 25. Oktober ein hochspannendes Angebot, dem noch mehr Interesse zu wünschen gewesen wäre. Zumal hochkarätige Referenten da waren.

„Eine solche ‚Entschlüsselung‘ von Wahlergebnissen ist dringend notwendig, denn sie sagt bei genauerem Hinsehen auch sehr viel über die Erwartungen der Menschen an die Parlamente“, so die Fraktionsvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow. Die LINKE mache sich weiter stark für eine Ausweitung des Wahlrechts, das ein möglichst inklusives Wahlrecht sein sollte. „Die Menschen wollen klare inhaltliche Positionen und Verlässlichkeit. Wir müssen demokratische, emanzipatorische Antworten auf aktuelle Entwicklungen insbesondere zur immer größer werdenden sozialen Spaltung der Gesellschaft finden. Damit können wir auch den Rechtspopulismus zurückdrängen“, so die Fraktionsvorsitzende.

Prof. Hermann Heußner (Hochschule Osnabrück) hatte hervorgehoben, dass ein weitreichendes Wahl- und Abstimmungsrecht „die Grundprinzipien der Demokratie, insbesondere Gleichheit und Beteiligungsfreiheit für alle, am besten umsetzt“. Niemand soll bloßer Adressat staatlicher Handlungen sein. Horst Kahrs (Rosa-Luxemburg-Stiftung) arbeitete heraus, dass Wahlen und Abstimmungen nur dann ihre demokratische Funktion erfüllen können, wenn alle die gleichen Chancen auf politische Teilhabe haben. Allerdings verhinderten dies vielfältige soziale Hürden. Wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, enthielten sich eher Menschen in benachteiligter Lage von Wahlen und Abstimmungen, sodass die soziale Schieflage dadurch noch verschärft werde.

Dr. Michael Efler (Mitglied im Bundesvorstand von Mehr Demokratie e.V. und LINKE-Abgeordneter im Berliner Parlament) warb für mehr direkte Mitbestimmung in konkreten Sachfragen. Das mache die Diskussion inhaltsreicher und fundierter, übe die Leute in demokratischer Diskussionskultur. Direkte Demokratie richtig praktiziert, dränge rechte Manipulatoren eher zurück. Den Parlamenten helfe die direkte Demokratie sehr, denn solche Abstimmungen seien Seismographen gesellschaftlicher Meinungslagen in der Bevölkerung zu wichtigen Sachthemen, gerade auch zwischen Wahlen und als „Blitzableiterfunktion“ bei Konfliktthemen. Darüber hinaus gab Efler zu bedenken, dass sich in den Parlamenten kaum Abgeordnete aus sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen befinden.

Eine ausführliche Dokumentation folgt unter www.die-linke-thl.de

Einladung zur AG Demokratie
„Die Diskussion zu Demokratie-Themen wird mit weiteren Veranstaltungen fortgesetzt, kündigte die Abgeordnete Anja Müller an. Sie lädt ein, in der AG Demokratie der Linksfraktion mitzumachen. Erste Zusammenkunft am Donnerstag, 30. November, Raum 440 im Fraktionsgebäude.                             

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