Nr. 21/2015, Seite 5: Ohne Gregor Gysi gäbe es keine gesamtdeutsche LINKE

Parlamentsreport

Anlässlich des Abschieds des Bundestagsabgeordneten Gregor Gysi vom Amt als Vorsitzender der Linksfraktion würdigte Susanne Hennig-Wellsow, Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag und Landesvorsitzende der Thüringer LINKEN, den Politiker als „großen Linken“.

Es sei sein nicht genug anzuerkennender Verdienst, dass er über zweieinhalb Jahrzehnte „nicht nur PDS und DIE LINKE geprägt hat, sondern in der Öffentlichkeit das Gesicht beider Parteien gewesen ist. Ohne sein Engagement würde es heute keine gesamtdeutsche Linkspartei geben“, betonte sie. Es falle deshalb schwer, den Abschied Gregor Gysis vom Fraktionsvorsitz zu akzeptieren. Er sei nicht nur ein strategischer Kopf der Partei DIE LINKE, sondern finde wegen seines Charismas und seines Humors schnell den Zugang zu den Menschen. „Ich bin sehr froh, dass sich Gregor Gysi jetzt nicht in die Politikerrente verabschiedet, sondern als Abgeordneter weiter linke Politik mitgestaltet.“

Gysi habe früh, auch gegen Widerstände in der PDS und später in der Partei DIE LINKE, auf Regierungsfähigkeit gesetzt. Er habe der LINKEN in Thüringen dabei als Ratgeber zur Verfügung gestanden. „Dass wir 2014 nicht nur zu einer linken Regierungspartei geworden sind, sondern in Thüringen den Ministerpräsidenten stellen, ist auch ein großer Erfolg für Gregor Gysi.“ Mit Thüringen sei Gysi schon früh verbunden gewesen. Beim Hungerstreik der Kalikumpel von Bischofferode habe er mit hohem persönlichem Einsatz Solidarität bekundet. Sie selbst habe seinerzeit auch wegen Gregor Gysi begonnen, sich in der PDS politisch zu engagieren, sagte Susanne Hennig-Wellsow. Auf die Biographie, an der Gysi jetzt arbeiten wolle, sei sie sehr gespannt. Seinen Nachfolgern an der Spitze der Bundestagsfraktion, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, gratulierte sie zur Wahl und   wünschte ihnen viel Erfolg.

Im „Interview der Woche“ auf der Internetseite der Bundestagsfraktion sagte Gregor Gysi auf die Frage „Was betrachten Sie als ihre größte Niederlage als Politiker?“: „Dass wir es nicht schafften, wirklich gleiche Lebensverhältnisse in Ost und West herzustellen, obwohl es möglich ist. Nach wie vor gibt es beträchtliche Unterschiede bei den Löhnen, den Renten, den wirtschaftlichen Strukturen. Ostdeutsche Biografien werden häufig weniger respektiert, die Lebensleistungen nicht ausreichend anerkannt.“ Und auf die Frage, „welcher war demnach Ihr größter politischer Erfolg?“, antwortete Gregor Gysi: „Dass es in Deutschland eine gesamtdeutsche Partei links von der SPD gibt, die sogar seit dem Herbst 2013 die Oppositionsführerin im Deutschen Bundestag ist. Das ist eine bedeutende Leistung der PDS als eine Partei, die sich zunächst nur als die Vertreterin ostdeutscher Interessen etablieren konnte und seit zehn Jahren nach der Vereinigung mit der Wahlalternative für Soziale Gerechtigkeit zur heutigen Partei DIE LINKE auch zunehmende Akzeptanz bei den westdeutschen Bürgerinnen und Bürgern erreichte. Wenn ich jemandem vor 25 Jahren prophezeit hätte, dass DIE LINKE in Thüringen den Ministerpräsidenten eines Bundeslandes stellte, hätte er mich in die Psychiatrie geschickt.“

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