Nr. 21/2014, Seite 9: Manchmal noch wie im „Wahlkampfmodus“
Zu den acht neuen der 28 Abgeordneten in der Linksfraktion im Thüringer Landtag gehört Anja Müller aus Leimbach im Wartburgkreis. Die 41jährige, verheiratet, zwei Töchter (Jule, neun Jahre, und Marie, 18 Jahre) verweist auf ihr Motto „Du darfst nicht nur wollen – Du musst auch tun“ und geht mit viel Schwung und Freude an die Arbeit im Landtag.
Dass sie über Ausdauer und Fitness verfügt, hat sie im heißen Wahlkampfmonat August unter Beweis gestellt. Nicht nur beim Plakate-Aufhängen, Wahlmaterial-Verteilen oder in Diskussionsrunden, auch als sie sich mit dem Abgeordneten Frank Kuschel, der übrigens gern und oft mit dem Fahrrad von Arnstadt zur Arbeit in den Erfurter Landtag fährt, auf den 167 Kilometer langen „Pfad der Zukunft“ begeben hatte. Dabei liefen die Beiden in ihren roten T-Shirts – Aufschrift „Thüringen sozial regieren“ - eine Woche lang von Kaltennordheim nach Erfurt, wo sie vom Fraktionsvorsitzenden persönlich begrüßt wurden.
Zwar ist Anja durchaus sportlich, aber die Strecke war schon eine Herausforderung. Spaß hats trotzdem gemacht, das Laufen, und sie vermisse es jetzt manchmal, sagt Anja mit ihrem ansteckenden Lachen und ergänzt, sie müsse den Kopf frei kriegen, denn manchmal fühle sie sich „immer noch im Wahlkampfmodus“. Auf die Frage, wie sie zur LINKEN kam, braucht sie nicht lange nachdenken. „Politik war bei uns Zuhause immer Thema.“ Die Mutter war Bürgermeisterin in Leimbach, 14 Jahre später kandidierte die längst erwachsene Tochter erstmals für den Gemeinderat. Damals klappte es zwar nicht gleich und sie wurde zunächst berufene Bürgerin im Sozialausschuss, aber der Weg war eingeschlagen. Nachdem sie zuvor immer wieder an Basisgruppenversammlungen teilgenommen hatte, trat sie 2005 auch der damaligen PDS bei. Bewusst – oder wie Anja sagt „aus Protest“ – in der Zeit, da die Partei den Einzug als Fraktion in den Bundestag nicht geschafft hatte.
Als Gemeinderätin, Kreistagsmitglied und Vorsitzende des Kreisverbandes der LINKEN Wartburgkreis-Eisenach (ein Ehrenamt, das sie sich in Ko-Funktion mit Sascha Bilay aus Eisenach teilt) bringt sie reichlich kommunalpolitische Erfahrung in den Landtag mit. Hinzu kommen ihr Engagement in verschiedenen Initiativen und Vereinen, und vor allem auch die vergangenen fünf Jahre als Wahlkreismitarbeiterin von Frank Kuschel. Das Bad Salzunger Büro wurde zunehmend zu einer Anlaufstelle auch für junge Leute. Besonders mit ihrer tatkräftigen Unterstützung für den „Rock gegen Rechts“ im Waldstadion des benachbarten Merkers, das im nächsten Jahr bereits zum zehnten Mal stattfindet und sich zum größten linken Musikfestival Thüringens gemausert hat, gelang es ihr, junge Sympathisanten für die LINKE zu gewinnen. In Bad Salzungen, und darüber freut sich Anja Müller besonders, wird sie auch ihr Wahlkreisbüro einrichten. „Dass sich mit Ehrlichkeit und Bodenständigkeit viel erreichen und bewegen lässt, konnte ich mehrfach beweisen. Dies möchte ich nun im Landtag als Abgeordnete fortsetzen“, heißt es auf ihrer Internetseite (www.linksmueller.de). Aber jetzt hofft sie erst einmal, „dass wir die Landesregierung stellen, damit die notwendigen Veränderungen kommen für Thüringen und für den Wartburgkreis“.
A. Rudolph
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