Nr. 21/2013, Seite 7: Gegen den „Kuhhandel“ um Ministerposten

Parlamentsreport

Erstaunlich aktuell: Käte Duncker, nach der die LINKE ihren Sitzungssaal benannt hat  

Die Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag hat ihren Sitzungssaal im Funktionsgebäude des Landesparlaments (Raum 201) am 15. Oktober nach der Sozialistin, Pädagogin und Publizistin Käte Duncker benannt. Im „Käte-Duncker-Saal“ finden Fraktionssitzungen und Veranstaltungen der Linksfraktion statt.

Zahlreiche Gäste nahmen an der feierlichen Benennung teil, darunter Vertreterinnen und Vertreter der Fraktionen der CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Nach der Eröffnung durch den Fraktionsvorsitzenden Bodo Ramelow ehrte Dr. Birgit Klaubert, Vizepräsidentin des Thüringer Landtags (DIE LINKE), Käte Duncker mit einem historisch-biographischen Rückblick. Anschließend lasen Katja Mitteldorf und Marcel Langner (wissenschaftliche MitarbeiterInnen in der Fraktion) aus Briefen und Landtagsreden von Käte Duncker. Erstaunlich, wie aktuell ihre Themen noch heute wirken, wie ihre Plenarrede zur dringend notwendigen Einstellung von Lehrkräften. Und mit Verweis auf das „große Geschrei, woher die Mittel zu nehmen“ seien, sagte sie, dass doch eigentlich „genug Geld vorhanden“ sei, und sie forderte „eine höhere Besteuerung der besitzenden Klasse“.

Käte Duncker war 1921 in den Thüringer Landtag gewählt worden, dem sie als eine der ersten Frauen angehörte. Sie setzte sich in der SPD und ab 1918 in der KPD für die berufliche und politische Besserstellung von Frauen, für Bildungsreformen sowie den sozialen und kulturellen Fortschritt ein. Sie schrieb in der sozialistischen Frauenzeitschrift „Gleichheit“ und trat bei zahlreichen Frauenkonferenzen als Rednerin auf. Zur Tragik ihres Lebens gehört, dass ihr jüngstes Kind Wolfgang 1938 im Exil in der Sowjetunion Opfer der berüchtigten „Stalinschen Säuberungen“ wurde und 1942 in einem Lager verstarb.

Aus der Rede von Birgit Klaubert - komplett unter http://www.kulturtour.blogspot.de/:

Im Spätsommer 1921 wurde Käte Duncker von ihrer Partei aufgefordert, für den Thüringer Landtag zu kandidieren. Um ihre Kandidatur gab es Querelen, die Käte Duncker „als nicht besonders würdig“ bezeichnete, und sie verzichtete zunächst auf ihr Mandat. Doch Anfang Dezember zog sie als Nachrückerin in den Thüringer Landtag ein. Sie war inzwischen 50 Jahre alt und gewissermaßen alleinstehende Mutter mit Wohnung in Gotha-Siebleben, deren Unterhaltung sich als schwierig erwiesen hatte.

Käte Duncker nahm dieses Mandat sehr ernst, bemühte sich, die Fragen des Kinderelends im Landtag zu thematisieren. Und hier erschlossen sich wieder die Prägungen ihrer Lehr- und Lehrerinnenzeit in Eisenach und Friedrichroda. Es ging ihr darum, nahrhafte Schulspeisung, Kinderkrippen und Kinderhorte einzuführen und die Volksbildung zu verbessern. Käte Duncker war begeistert vom Konzept der Maria Montessori und kümmerte sich um Fachkräfte für die pädagogische Ausbildung. Neben dieser parlamentarischen Tätigkeit musste sie endlose zentrale und regionale Parteikonferenzen bestreiten; die Sitzungstätigkeit war anstrengend und bescherte ihr zum Teil mehrtägige Arbeitsunfähigkeit. Und hinzu kam das weitere Arbeiten mit ihren „Weibern“ auf Frauenversammlungen im ganzen Land. Diese Veranstaltungen brauchte sie, in ihren Briefen gibt sie Auskunft über die Lebhaftigkeit der Diskussionen.
Als 1923 eine Arbeiterregierung unter Beteiligung der Kommunistischen Partei Realität wurde, hatte Käte Duncker weniger grundsätzliche Bedenken gegen diese Entwicklung, doch sie verwahrte sich gegen den „Kuhhandel“ um Ministerposten und dagegen, wie durch die Bezirksleitung der KPD Niederlagen in Siege umgedeutet wurden. Schon unter Ausnahmegesetz im November 1923 hielt Käte Duncker ihre letzte Landtagsrede, die sinngemäß damit endet, dass die Überlegungen zum Verbot der kommunistischen Partei nicht deren Idee vernichtet werden. Kurze Zeit später wurde der Landtag aufgelöst. Für die nächste Wahlperiode wurde Käte Duncker nicht wieder nominiert.

Knapp 30 Jahre später erinnerte sich Käte Duncker mit folgenden Worten an diese Zeit:
„Und das Schicksal wollte es, dass ich dabei war, als aus den kleinen Vaterländern um den Thüringer Wald herum das Land Thüringen geschaffen wurde - nämlich als Abgeordnete des zweiten Thüringer Landtags zwischen 1921 und 1923.“

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